# Wie reime ich, ohne dass es holpert?

**Kurz gesagt:** Reimen lernen heißt vor allem, zwei Dinge zu üben: Die Reimwörter müssen ab dem betonten Vokal gleich klingen, und die Zeilen brauchen denselben Takt aus betonten und unbetonten Silben. Holpern entsteht fast immer, weil eine Betonung falsch liegt oder ein Füllwort den Reim erzwingt. Lies jede Zeile laut und klopf mit.

## Was ist ein sauberer Reim?

Ein Reim ist sauber, wenn die Wörter ab dem betonten Vokal gleich klingen. „Garten“ und „warten“ reimen sich, „Grill“ und „still“ auch. Bei „Kaffee“ und „Tee“ wird es schon knifflig, denn in Deutschland liegt die Betonung meist vorn, auf „Kaf“, und dann klingt der Reim schief, obwohl die Buchstaben passen.

Achte außerdem auf die Endung. Einsilbige Reime wie „Haus“ und „raus“ klingen knapp und kräftig, zweisilbige wie „Leben“ und „geben“ weicher. Mischst du beides innerhalb eines Reimpaars, stolpert das Ohr, auch wenn der Kopf beim stillen Lesen gar nichts bemerkt. Unreine Reime wie „Bäume“ und „keine“ sind bei lustigen Versen erlaubt, aber nur, wenn du sie absichtlich setzt.

## Warum holpern meine Reime?

Meistens aus einem von vier Gründen:

- Die Betonung liegt auf der falschen Silbe, weil das Versmaß es so will und nicht die Sprache.
- Ein Füllwort wie „gar“, „so“ oder „doch“ stopft eine Lücke.
- Der Satz wird verdreht, damit das Reimwort ans Ende rutscht.
- Die Zeilen sind unterschiedlich lang und haben dadurch keinen gemeinsamen Takt.

Ein Beispiel für die verdrehte Variante: „Den Rasen mäht der Klaus so gern, / doch nur, sind seine Nachbarn fern.“ Der Reim stimmt, aber kein Mensch redet so. Besser: „Der Klaus mäht seinen Rasen gern, / am liebsten, wenn die Nachbarn fern.“ Beide Zeilen haben acht Silben, die Betonung wechselt sauber zwischen unbetont und betont, und die Satzstellung klingt fast wie gesprochen. Diesen Wechsel nennt man Jambus, und für Gelegenheitsverse ist er das Arbeitspferd schlechthin.

## Wie finde ich passende Reimwörter?

Geh das Alphabet durch. Nimm den Klang ab dem betonten Vokal, bei „Haus“ also „-aus“, und setz nacheinander alle Anfangslaute davor: Maus, Laus, raus, Graus, Schmaus, Applaus. Nach zwei Minuten hast du eine Liste, aus der du das Wort mit der besten Pointe auswählst.

Bau die Zeile danach rückwärts. Setz das stärkere Reimwort ans Ende der zweiten Zeile, denn dort sitzt die Pointe, und schreib die erste Zeile so, dass sie darauf zuläuft. Wörter, zu denen es kaum Partner gibt, stellst du in die Zeilenmitte statt ans Ende, dann musst du dich nicht verbiegen.

Und hab Mut zum ersten Einfall, den du wieder wegwirfst. Der naheliegende Reim ist meist der, den das Publikum schon vorher ahnt, und dann ist die Pointe verpufft, bevor du sie ausgesprochen hast. Reimt sich auf „Klaus“ das Wort „Haus“, sucht der geübte Reimer weiter, bis er bei „Applaus“ oder „Kehraus“ landet. Erst der zweite oder dritte Kandidat überrascht.

## Wie übe ich Reimen im Alltag?

Schreib jeden Tag einen Zweizeiler, zum Beispiel auf den Einkaufszettel oder in die Glückwunschkarte für die Kollegin. Wer eine Woche lang durchhält, merkt, wie das Ohr schneller wird. Ein Beispiel für den Kühlschrank: „Die Milch ist leer, der Käse alt, / wer heute einkauft, kriegt bald Gehalt.“ Es muss nicht gut sein. Es muss nur fertig werden.

Eine gute Übungsform ist der Limerick, ein fünfzeiliger Scherzvers mit dem Reimschema aabba. Er verzeiht Albernheiten und zwingt dich trotzdem, den Takt zu halten. Lies jedes Ergebnis laut, am besten jemandem vor, der ehrlich lacht oder ehrlich das Gesicht verzieht. Beides hilft dir weiter.

## Wo Reime ein Publikum finden

Reimen lernt man am schnellsten, wenn jemand zuhört. Das kann die Familie am Geburtstagstisch sein, eine offene Lesebühne oder eine Runde wie die Schlaraffia, ein Männerbund für Kunst, Freundschaft und Humor, gegründet 1859 in Prag. In ihren Ortsvereinen, den Reychen, gehören gereimte Beiträge ganz selbstverständlich zum Abend.

Diese eigenen Beiträge heißen Fechsungen und werden in der Sippung vorgetragen, dem Treffen, das in der Winterung von Oktober bis April meist wöchentlich, mancherorts alle 14 Tage stattfindet. Ein gelungener Vers wird mit „Lulu!“ quittiert, ein holpriger mit Gelächter, das nicht wehtut. Als Pilger, also als Gast, darfst du auch einfach nur zuhören.

## Der Uhu meint

Wenn eine Zeile holpert, ist fast nie der Reim schuld, sondern das Wort davor. Stell den Satz so lange um, bis er klingt, als hättest du ihn beim Abendessen gesagt.

## Häufige Fragen

**Gibt es Wörter, auf die sich nichts reimt?**
Ja, einige, zum Beispiel „Mensch“ oder „Uhu“. Solche Wörter stellst du lieber in die Zeilenmitte.

**Kann man Reimen mit einer App lernen?**
Reimsuchen im Internet liefern schnell Wortlisten. Den Takt und die Pointe musst du trotzdem selbst hören, und das lernst du nur durch lautes Lesen.

**Ist Reimen eine Begabung?**
Zum Teil. Ein Gefühl für Klang lässt sich aber mit täglicher Übung deutlich verbessern, ähnlich wie bei einem Instrument.

## Weiterlesen

### Aus der Schlaraffia

- [Lulu! Das Magazin](https://www.lulu-magazin.org/): Geschichten, Gedichte und Berichte aus der Schlaraffia
- [Schlaraffia entdecken](https://www.schlaraffenfreunde.de/): Was die Schlaraffia ist und wo es sie gibt
- [FASTWAHR](https://fastwahr.de/): unglaubliche Geschichten mit wahrem Kern, das Satire-Magazin der Schlaraffia Eisenach

### Mehr zum Thema

- [Reim bei Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/Reim): Begriff, Formen und Geschichte
- [Jambus bei Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/Jambus): der häufigste Versfuß im Deutschen
- [Reimschema bei Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/Reimschema): Paarreim, Kreuzreim und mehr

Selbst erleben: [Gastabend in deiner Nähe finden](https://fragdenuhu.de/gastabend)

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach. Stand: 2026-10-01. Original: https://fragdenuhu.de/reimen-lernen
