Lustiges Gedicht zum Geburtstag selbst schreiben: Wie geht das?

4 Minuten Lesezeit ·

Kurz gesagt

Ein Gedicht zum Geburtstag lustig zu machen, gelingt mit einer einzigen Eigenart des Geburtstagskinds und einer Pointe am Schluss. Statt über das Alter zu reimen, nimmst du eine Gewohnheit, die alle kennen, und erzählst sie in zwei bis vier Strophen im Paarreim. Für die Karte reicht ein Vierzeiler, für den Vortrag am Tisch höchstens sechs Strophen.

Worüber reimt man in einem lustigen Geburtstagsgedicht?

Über eine Eigenart, nicht über das Alter. Reime über Falten und Rücken hat das Geburtstagskind schon auf jeder zweiten Karte gelesen, und bei einem 50. Geburtstag stapeln sie sich auf dem Gabentisch neben dem Wein mit der passenden Jahreszahl. Viel besser trägt eine Gewohnheit, die nur dieser Mensch hat. Der Schwager, der jede Autofahrt mit dem Satz „Ich kenn da eine Abkürzung“ beginnt, liefert Stoff für drei Strophen.

Such das, was jeder Gast sofort unterschreiben würde. Dazu sammelst du zwei oder drei kleine Szenen, am besten solche, bei denen das Geburtstagskind selbst schon gelacht hat, denn wer über eine Geschichte schon einmal gelacht hat, fühlt sich beim Vortrag nicht vorgeführt. Das ist die halbe Miete.

Wie baue ich ein Gedicht zum Geburtstag lustig auf?

Bewährt hat sich ein einfacher Strophenplan. Die erste Strophe stellt die Eigenart vor, die mittleren zeigen sie in Aktion, und die letzte dreht sie ins Liebevolle, damit das Gedicht nicht nur aus Spott besteht und das Geburtstagskind am Ende gerührt statt beleidigt ist. So einfach ist das.

Ein selbst geschriebenes Beispiel zum 50. Geburtstag eines Mannes: „Seit fünfzig Jahren fährt der Bernd und hat noch nie den Weg gelernt. Er sagt: ‚Ich kenn mich aus, mein Schatz‘, und landet auf dem Wertstoffplatz. Drum schenken wir zum Wiegenfest ein Navi, das ihn nicht verlässt. Nur fürchten wir, das Ding wird schlau und fragt am Ende seine Frau.“

Gelacht wird in Zeile vier und acht. Dazwischen darf es ruhig sachlich zugehen, denn das Ohr braucht Anlauf, bevor es sich überraschen lässt, und wer in jeder Zeile eine Pointe unterbringen will, hat am Ende keine einzige. Die letzte Pointe ist zugleich eine kleine Verbeugung vor der Frau, die den Weg tatsächlich kennt.

Was ist bei einem Gedicht für eine Frau anders?

Weniger, als viele Männer befürchten, aber ein paar Dinge schon. Alter, Gewicht und Aussehen bleiben draußen, und zwar auch dann, wenn sie selbst gern darüber scherzt, denn ihr eigener Witz ist noch lange nicht deiner. Gut tragen Leidenschaften und Macken. Die Kollegin, die im Büro jede Pflanze rettet, die andere längst aufgegeben und heimlich in den Müll getragen hätten, ist ein dankbares Thema für jede Karte.

Ein selbst geschriebenes Beispiel für die Geburtstagskarte: „Bei Petra blüht, was keiner mag, der Kaktus treibt ihr jeden Tag. Wir haben uns gefragt, warum: Sie spricht mit ihm. Er nimmt's nicht krumm.“

Wann trage ich das Geburtstagsgedicht vor?

Der beste Moment ist kurz nach dem Essen, wenn alle sitzen und noch niemand zum Tanzen aufgestanden ist. Kündige das Gedicht nicht lange an, ein Satz genügt: „Ich habe was gereimt, es dauert keine zwei Minuten.“ Schau bei den Pointen zum Geburtstagskind. Danach überreichst du den Text, schön ausgedruckt oder von Hand geschrieben, denn ein solches Blatt hebt man jahrelang auf, während die meisten gekauften Karten schon nach dem Fest im Altpapier landen.

Für die Karte genügt der Vierzeiler allein. Schreib ihn von Hand, auch wenn deine Schrift aussieht wie ein Arztrezept, denn gerade das Krakelige zeigt, dass hier jemand selbst am Küchentisch gesessen und nach einem Reim auf den Namen gesucht hat. Der Aufwand wird gesehen.

Wo findet man Publikum für eigene Verse?

Wer einmal gemerkt hat, wie gut ein selbst gereimter Glückwunsch ankommt, schreibt oft weiter. Das ist ansteckend. Publikum dafür gibt es auf Lesebühnen, bei Poetry-Slams und in der Schlaraffia, einem Männerbund für Kunst, Freundschaft und Humor, der 1859 in Prag gegründet wurde und dessen Ortsvereine es heute vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt. Ihr Motto lautet „In arte voluptas“, in der Kunst liegt die Freude.

In den Ortsvereinen, den Reychen, trifft man sich in der Winterung von Oktober bis April zur Sippung, meist wöchentlich, an manchen Orten alle 14 Tage. Gereimte Fechsungen, so heißen die eigenen Beiträge, gehören dort selbstverständlich dazu, und ein gelungener Vers wird mit „Lulu!“ belohnt, ein holpriger mit freundlichem Gelächter, das niemandem wehtut. Künstler muss niemand sein. Als Pilger, also als Gast, kannst du einen Abend lang zuhören und schauen, ob dir die Runde liegt.

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Häufige Fragen

Was reimt sich auf Geburtstag?

Fast nichts, deshalb stellst du das Wort lieber in die Zeilenmitte. Ans Zeilenende passen Ersatzwörter wie „Wiegenfest“ oder „Ehrentag“, die sich leichter reimen.

Kann ich ein Geburtstagsgedicht zu zweit vortragen?

Ja, abwechselnd Strophe für Strophe wirkt das oft lebendig. Probt es vorher mindestens zweimal gemeinsam, damit die Übergaben sitzen.

Darf ein Gedicht zum 70. oder 90. Geburtstag frech sein?

Ja, viele ältere Jubilare mögen einen frechen Vers, solange er liebevoll bleibt. Sprich dann langsam und deutlich, damit auch die hinteren Tische die Pointe mitbekommen.

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am

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