Wie schreibe ich selbst ein Gedicht?

2 Minuten Lesezeit ·

Kurz gesagt

Ein Gedicht braucht keinen perfekten Reim, sondern einen klaren Anlass und ein Bild. Für den Anfang: vier Zeilen, ein Gegenstand, eine überraschende Wendung am Schluss. Schreib zuerst ohne Reim auf, was du sagen willst, und suche dann Reimwörter. Lies das Gedicht laut, denn was holpert, hörst du sofort.

In fünf Schritten zum eigenen Gedicht

  1. Anlass klären: Für wen schreibst du, und was soll der Leser fühlen? Lachen, Rührung, Nachdenken?
  2. Ein Bild finden: Nicht „ich mag dich sehr“, sondern ein Bild, das es zeigt. Der Kaffee, den sie dir jeden Morgen hinstellt, sagt mehr als jedes Adjektiv.
  3. Ungereimt vorschreiben: Schreib in Prosa auf, was du sagen willst, Satz für Satz.
  4. Reimen: Such für die Zeilenenden passende Reimwörter. Ein Reimlexikon oder eine Reimsuche im Internet hilft.
  5. Laut lesen und kürzen: Alles, was beim Vorlesen holpert, wird umgestellt oder gestrichen.

Welche Reimschemata gibt es?

  • Paarreim (aabb): Zwei aufeinanderfolgende Zeilen reimen sich. Einfach und eingängig, ideal für lustige Verse.
  • Kreuzreim (abab): Die erste reimt sich auf die dritte, die zweite auf die vierte. Klingt etwas eleganter.
  • Umarmender Reim (abba): Ein Reimpaar umschließt das andere. Gut für ruhige, feierliche Gedichte.

Ein Beispiel im Paarreim: „Mein Freund, der wird heut sechzig Jahr, / er hat noch fast sein ganzes Haar. / Nur oben, wo es früher stand, / ist heute freies Weideland.“ Die Pointe steckt im letzten Wort, und genau dort gehört sie hin.

Versmaß ohne Schulfrust

Das Versmaß beschreibt den Wechsel von betonten und unbetonten Silben. Du musst die Fachbegriffe nicht kennen. Klopf beim Lesen leise mit dem Finger auf den Tisch, und du merkst, ob der Rhythmus trägt. Wenn eine Zeile stolpert, hilft meist ein Wort mehr oder weniger.

Gedicht über eine Person schreiben

Sammle zuerst Material: drei Eigenschaften, zwei Erlebnisse, ein Lieblingsspruch der Person. Daraus entsteht fast von allein ein Gedicht, das niemand anderes hätte schreiben können. Persönliche Details schlagen schöne Formulierungen, immer.

Kurze Formen für den Einstieg

Das Haiku stammt aus Japan und hat drei Zeilen mit fünf, sieben und fünf Silben. Das Elfchen besteht aus elf Wörtern in fünf Zeilen. Beide Formen sind kurz, ohne Reim und eignen sich gut zum Üben.

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Häufige Fragen

Muss sich ein Gedicht reimen?

Nein. Viele moderne Gedichte reimen sich nicht. Für lustige Gelegenheitsgedichte ist der Reim aber ein starkes Mittel.

Wie fange ich ein Gedicht an?

Mit einem konkreten Bild statt einer allgemeinen Aussage. Ein Gegenstand oder eine Szene trägt mehr als ein Gefühl, das nur benannt wird.

Was ist ein Elfchen?

Ein kurzes Gedicht aus elf Wörtern in fünf Zeilen, meist ohne Reim. Es eignet sich gut für den Einstieg.

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am

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