Wo treffe ich Menschen, die Kunst und Musik mögen?
Kurz gesagt
Menschen, die Kunst und Musik mögen, triffst du am leichtesten dort, wo man nicht nur zuschaut, sondern mitmacht: in einem Kulturverein, einem Kunstverein, einem Chor, einer Hausmusik-Runde oder einem Salon. Konzerte allein bringen selten Kontakte. Feste Runden mit Gesprächen danach dagegen schon.
Warum man im Konzert selten Freunde findet
Ein Konzert ist ein wunderbarer Abend, aber kein guter Ort zum Kennenlernen. Man sitzt nebeneinander, schaut nach vorn, klatscht und geht in der Pause zur Garderobe. Danach verschwinden alle in Richtung Parkhaus, und der nette Herr vom Nachbarplatz bleibt ein Fremder.
Freundschaft braucht Wiederholung und Gespräch. Der Kommunikationsforscher Jeffrey Hall hat 2018 gezeigt, dass es rund 50 gemeinsame Stunden braucht, bis aus einem Bekannten ein lockerer Freund wird, und um die 90 Stunden bis zum Freund. Diese Stunden sammelst du nicht im Konzertsaal, sondern dort, wo du dieselben Menschen jede Woche siehst.

Was macht ein Kulturverein, und lohnt er sich?
Ein Kulturverein organisiert Konzerte, Lesungen, Ausstellungen oder Kleinkunst in seinem Ort, oft in einem alten Bahnhof, einer Scheune oder einem Saal über der Gaststätte. Die Mitglieder kümmern sich um alles: Künstler buchen, Stühle stellen, Getränke ausschenken und hinterher zusammensitzen. Gerade dieses Hinterher ist für viele der eigentliche Grund, dabei zu sein. Man diskutiert über das Konzert, schimpft über den Ton der Anlage und plant schon das nächste Programm. So entstehen Freundschaften fast nebenbei.
Wer mitmacht, lernt schnell Menschen kennen, die dieselben Dinge mögen. Und wer sich zum ersten Mal an die Kasse setzt, ist ab dem dritten Abend kein Fremder mehr. Viele Kulturvereine sind klein und leben vom Ehrenamt, deshalb wird jede helfende Hand gebraucht. Man muss weder Kunst studiert haben noch Noten lesen können, um einen Abend möglich zu machen, an dem andere Menschen eine Band erleben, die sonst nie in den Ort gekommen wäre.
Weitere Orte für Kunst- und Musikfreunde
Ein Kulturverein ist nicht die einzige Möglichkeit:
- Kunstvereine, die es in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert gibt. Als einer der ältesten gilt die 1792 gegründete Albrecht-Dürer-Gesellschaft in Nürnberg.
- Chöre, Blasorchester und Bands, die fast immer Nachwuchs suchen, auch über 40.
- Hausmusik-Runden und Salons, in denen man sich privat zum Musizieren, Vorlesen und Reden trifft.
- Kabarett- und Kleinkunstbühnen, die oft von Fördervereinen getragen werden und helfende Hände brauchen.
Musikalisches Kabarett ist dabei eine eigene kleine Welt. Wer Musik und Kabarett mag, findet in solchen Runden Menschen, die über dieselben Pointen lachen, und das verbindet erstaunlich schnell. Wer lieber selbst Musik macht, sollte nicht zu bescheiden sein. Viele Chöre und Orchester suchen gerade Männer, und manche Blaskapelle nimmt auch Wiedereinsteiger, die ihr Instrument seit der Konfirmation nicht mehr angerührt haben.
Wie fange ich an, wenn ich niemanden kenne?
Geh zu einer Veranstaltung des Vereins und bleib danach noch eine halbe Stunde. Frag jemanden, der offensichtlich dazugehört, ob man hier auch mithelfen kann. Die Antwort lautet fast immer ja, oft begleitet von einem erleichterten Lächeln.
Ein Satz, den man in Kulturvereinen ständig hört, lautet: „Wir suchen eigentlich immer jemanden für den Aufbau.“ Das klingt nach Arbeit. Es ist aber der schnellste Weg hinein, weil man beim Stühleschleppen ins Gespräch kommt und bei der nächsten Lesung schon in der ersten Reihe sitzt. Wer schüchtern ist, meldet sich für eine feste Aufgabe, etwa die Kasse oder den Ausschank. Dann hast du immer einen Grund, mit Leuten zu reden, und musst nie überlegen, wie du ein Gespräch anfängst.
Ritter mit Liebe zu Kunst und Musik
Eine Runde, die Kunst und Musik seit über 160 Jahren pflegt, ist die Schlaraffia. Gegründet wurde sie 1859 in Prag von Künstlern, darunter der Theaterdirektor Franz Thomé und der Opernsänger Albert Eilers. Bis heute treffen sich die Mitglieder in der Winterung, von Oktober bis April, meist einmal pro Woche oder alle 14 Tage zur Sippung, parodieren dabei augenzwinkernd ein Ritterwesen und bringen Fechsungen mit, also eigene Gedichte, Lieder, Musikstücke oder Vorträge.
Die Schlaraffia ist ein Männerbund, und sie ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Wer sie kennenlernen möchte, kommt als Pilger, also als Gast, in ein Reych, so heißt der Ortsverein. Zuhören ist dort ausdrücklich erlaubt, und ein Klavier steht in so mancher Burg, wie die Schlaraffen ihren Versammlungsraum nennen.
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Häufige Fragen
Wie gründe ich einen Kulturverein?
Du brauchst mindestens sieben Gründungsmitglieder, eine Satzung und die Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht. Viele Kommunen und Kulturämter helfen mit Mustersatzungen und Tipps.
Was ist der Unterschied zwischen Kunstverein und Kulturverein?
Ein Kunstverein widmet sich meist der bildenden Kunst und zeigt Ausstellungen. Ein Kulturverein ist breiter aufgestellt und organisiert Konzerte, Lesungen, Theater und Kleinkunst.
Muss ich ein Instrument spielen, um in einem Kulturverein mitzumachen?
Nein. Die meisten Mitglieder sind Zuhörer und Helfer, die Veranstaltungen möglich machen. Wer spielt, ist willkommen, Pflicht ist es nicht.
Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am
