Männerfreundschaft und Frauenfreundschaft: Was ist anders?
Kurz gesagt
Männerfreundschaften vs. Frauenfreundschaften: Der Unterschied liegt weniger in der Tiefe als im Stil. Vereinfacht gesagt treffen sich Frauen eher, um zu reden, Männer eher, um etwas zu tun, und reden dabei. Beides kann gleich eng sein. Männerfreundschaften hängen aber oft stärker an einem Anlass und schlafen leichter ein, wenn dieser Anlass wegfällt.
Was ist der Unterschied zwischen Männerfreundschaften und Frauenfreundschaften?
In der Freundschaftsforschung hat sich ein einfaches Bild eingebürgert. Es klingt nach Klischee. Frauenfreundschaften gelten als „face to face“: Man sitzt sich gegenüber und redet. Männerfreundschaften gelten als „side by side“: Man steht nebeneinander, am Grill, auf dem Fußballplatz oder unter der Motorhaube, und das Gespräch läuft nebenher, oft unterbrochen von der Frage, wer eigentlich den Zehnerschlüssel zuletzt hatte.
Das ist natürlich eine Vereinfachung. Es gibt Männer, die stundenlang über Gefühle sprechen, und Frauen, die lieber gemeinsam ein Regal aufbauen, ohne viele Worte zu machen, und dabei bestens miteinander auskommen. Als grobe Landkarte taugt das Bild trotzdem.

Sind Männerfreundschaften oberflächlicher?
Nein, sie sind nur leiser. Zwei Männer, die sich seit dreißig Jahren kennen, können einen Abend lang über Bundesliga und Grillkohle reden und sich trotzdem sehr nahe sein. Die Nähe zeigt sich oft im Tun: Einer hilft beim Umzug, der andere fährt nachts los, wenn das Auto auf der Autobahn bei Kassel liegen geblieben ist, und fragt hinterher nicht einmal nach dem Benzingeld.
Im Gespräch beschreiben viele Frauen ihre Freundschaften ausführlicher, viele Männer eher knapp. Das sagt wenig über Bindung. Viele Männer drücken Zuneigung über Verlässlichkeit aus, über das Werkzeug, das man verleiht, oder den Anruf, der kommt, wenn es beim anderen gerade brennt, und weniger über große Worte.
Ein Satz, den man so ähnlich oft hört: „Wir reden nicht viel über Persönliches, aber wenn was ist, ist er da.“ Das ist keine schlechte Definition von Freundschaft. Schwierig wird es erst, wenn das „wenn was ist“ wirklich eintritt, also eine Trennung oder der Verlust des Jobs, und keiner von beiden je gelernt hat, darüber zu sprechen.
Warum schlafen Männerfreundschaften leichter ein?
Weil sie stärker an einem Anlass hängen. Fällt der Anlass weg, geht oft die Freundschaft mit. Die Fußballmannschaft löst sich auf, der Kollege wechselt die Firma, die Kinder sind aus dem Kindergarten heraus, und mit ihnen verschwinden die Väter, mit denen man jahrelang am Zaun stand. Viele Frauen halten auch ohne Anlass Kontakt, mit einem Anruf oder einer Nachricht zwischendurch.
Dazu kommt eine alte Gewohnheit. In vielen Partnerschaften organisiert die Frau das gesellige Leben, und der Mann geht mit. Das ist bequem, solange es läuft, aber nach einer Trennung oder wenn die Kinder aus dem Haus sind, merken manche Männer, dass der Freundeskreis eigentlich der ihrer Partnerin war.
Was können Männer von Frauenfreundschaften lernen?
Zwei Dinge vor allem. Erstens darf man sich ohne Grund melden: Eine Nachricht wie „Musste gerade an dich denken, wie läuft es mit dem neuen Job?“ kostet zwanzig Sekunden und hält eine Freundschaft über Monate warm. Zweitens darf man fragen, wie es dem anderen wirklich geht, und zwar nicht im Vorbeigehen an der Kasse, sondern so, dass klar ist, dass man die Antwort hören will. Und dann abwarten.
Umgekehrt haben Männerfreundschaften eine Stärke, die man nicht unterschätzen sollte. Das gemeinsame Tun nimmt Druck heraus. Wer nebeneinander an der Werkbank steht, erzählt manchmal mehr, als er am Kneipentisch je erzählen würde, gerade weil sich dabei niemand in die Augen schauen muss.
Ein praktischer Mittelweg sind gemeinsame Vorhaben mit Gesprächsanteil. Zwei Freunde, die einmal im Jahr zusammen eine mehrtägige Radtour machen, haben beides: das Tun und die langen Abende, an denen nach dem dritten Bier plötzlich Dinge zur Sprache kommen, die beim Grillfest nie Thema wären. Das Rad ist nur der Vorwand.
Eine Männerrunde mit festem Anlass
Wenn Männerfreundschaften einen Anlass brauchen, hilft ein Anlass, der nicht wegfällt. Die Schlaraffia ist so einer: ein Männerbund, gegründet 1859 in Prag, der sich in der Winterung, von Oktober bis April, meist wöchentlich oder alle 14 Tage zur Sippung trifft, so heißt das Treffen dort. Man tut dort etwas zusammen und lacht viel, denn es gibt Gedichte, Musik und kleine Reden. Das Gespräch ergibt sich danach von selbst.
Zu besonderen Abenden sind vielerorts auch Partnerinnen und Familien dabei. Wer neugierig ist, kommt als Pilger, also als Gast, und schaut sich das in Ruhe an, ohne dass er gleich etwas unterschreiben oder vortragen muss. Zuhören reicht.
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Häufige Fragen
Können Männer und Frauen einfach befreundet sein?
Ja. Freundschaften zwischen Männern und Frauen sind verbreitet und oft sehr stabil, sie folgen manchmal nur eigenen Regeln, etwa wenn Partnerschaften dazukommen.
Warum haben viele Männer in der Lebensmitte kaum enge Freunde?
Oft fallen die festen Anlässe weg, also Sportverein, Studium oder Stammtisch. Gleichzeitig binden Beruf und Familie viel Zeit, sodass Freundschaften als Erstes gestrichen werden.
Was macht eine echte Männerfreundschaft aus?
Dass man sich aufeinander verlassen kann und auch Schwäche zeigen darf. Wie oft man telefoniert, ist weniger wichtig als die Gewissheit, dass der andere da ist.
Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am
