Muss ich dichten oder singen können, um mitzumachen?

4 Minuten Lesezeit ·

Kurz gesagt

Nein. Um Schlaraffia-Mitglied zu werden, musst du weder dichten noch singen können, Zuhören ist ausdrücklich erlaubt. Mitglied werden können Männer ab 18, die Deutsch sprechen und Freude an Kunst und Humor haben. Der Weg beginnt als Gast, dem Pilger, und führt über Prüfling, Aufnahme per Abstimmung und Knappe bis zum Ritter.

Muss ich dichten oder singen können?

Nein, wirklich nicht. In jeder Sippung, so heißt das regelmäßige Treffen, gibt es einen Teil, in dem Mitglieder etwas vortragen: ein Gedicht, eine kleine Rede, ein Lied, eine Geschichte oder einen Vortrag. Das nennen die Schlaraffen Fechsung. Wer nichts vorträgt, sitzt im Publikum, und ein gutes Publikum ist an so einem Abend mindestens so wichtig wie der Mann am Pult.

Laut Wikipedia darf man dabei auch Werke anderer Autoren vortragen, es muss also nicht alles selbst geschrieben sein. Viele fangen klein an. Ein Vierzeiler über die Baustelle vor dem Haus, ein Gedicht von Heinz Erhardt, drei Minuten über das eigene Hobby. Der Applaus heißt „Lulu!“, und er gilt dem Mut mindestens so sehr wie dem Text.

Singen musst du übrigens auch nicht. Es gibt Abende, an denen gemeinsam gesungen wird, und da brummt jeder mit, so gut er eben kann. Niemand hält dir dabei ein Mikrofon unter die Nase, und ein schiefer Bass ist in einem vollen Saal ohnehin kaum zu orten.

Wie werde ich Schlaraffia-Mitglied?

Der Weg ist überall ähnlich. Die Einzelheiten regelt jedes Reych, also jeder Ortsverein, selbst:

  • Pilger: Du kommst als Gast zu einer Sippung, schaust zu, hörst zu und lernst die Leute kennen.
  • Prüfling: Wenn du wiederkommen und dazugehören willst, wirst du Prüfling und lernst Bräuche und Menschen genauer kennen.
  • Knappe: Über die Aufnahme stimmt das Reych ab, das heißt Kugelung. Danach bist du Knappe.
  • Junker und Ritter: Mit der Zeit steigst du zum Junker und schließlich zum Ritter auf.

Wie lange die einzelnen Stufen dauern, entscheidet jedes Reych selbst. Eile hat hier niemand. Die Schlaraffia gibt es seit 1859, und auf ein paar Wochen mehr oder weniger kommt es ihr nicht an.

Wer kann mitmachen, und was kostet es?

Die Schlaraffia ist ein Männerbund. Aufgenommen werden Männer ab 18, die Deutsch sprechen und Freude an Kunst und Humor haben, Deutscher muss man dafür nicht sein. Beruf und Titel spielen keine Rolle, denn jeder bekommt einen schlaraffischen Namen, und Politik, Religion und Geschäfte bleiben vor der Tür. Wer also hofft, nebenbei Kunden zu gewinnen, ist hier falsch.

Was die Mitgliedschaft kostet, legt jedes Reych selbst fest. Frag am besten beim ersten Besuch ganz offen danach, das ist keine unhöfliche Frage. Zu besonderen Abenden und Unternehmungen sind vielerorts auch Partnerinnen und Familien dabei.

Wie bereite ich meine erste Fechsung vor?

Irgendwann juckt es dich vielleicht doch, ans Pult zu gehen. Dann helfen ein paar einfache Regeln, die auch für jede Geburtstagsrede taugen:

  • Halte dich kurz. Drei bis fünf Minuten sind für den Anfang ideal.
  • Nimm einen Text, der dir selbst gefällt, ob eigener Vierzeiler oder Lieblingsgedicht.
  • Lies ihn vorher zweimal laut, am besten in der Küche, während niemand zuhört.
  • Druck ihn groß aus und schau am Ende ins Publikum, nicht aufs Blatt.

Erwarte kein Kritikerpanel, sondern ein Publikum, das mitgeht und auch eine wacklige Pointe freundlich aufnimmt. Lampenfieber ist erlaubt. Es vergeht beim dritten Mal meistens von allein.

Was erwartet mich als Pilger?

Ein Abend, der dir am Anfang ein bisschen vorkommt wie ein Theaterstück, bei dem alle außer dir den Text kennen. Es gibt Helme, einen Thron, eine eigene Sprache, und der Raum heißt Burg. Keine Sorge, als Pilger erklärt man dir das Wichtigste, und niemand erwartet, dass du schon beim ersten Mal mitspielst.

Die Sippungen finden in der Winterung statt, vom 1. Oktober bis zum 30. April, meist einmal pro Woche, an manchen Orten alle 14 Tage. Such dir ein Reych in deiner Nähe, melde dich an und schau es dir an. Und wenn du danach merkst, dass dir ein Chor oder eine Improgruppe mehr liegt, ist das eine genauso gute Erkenntnis.

Ein praktischer Tipp zum Schluss: Komm lieber zweimal als einmal. Beim ersten Besuch bist du mit Staunen beschäftigt, beim zweiten Mal erkennst du schon Gesichter, und dann erst merkst du, ob dir die Runde gefällt.

Selbst erleben: Gastabend in deiner Nähe finden

Häufige Fragen

Muss ich Deutscher sein, um Schlaraffe zu werden?

Nein. Gesprochen wird in allen Reychen Deutsch, deshalb solltest du die Sprache gut beherrschen. Die Staatsangehörigkeit spielt keine Rolle.

Was ist eine Kugelung?

Die Kugelung ist die Abstimmung, mit der ein Reych über die Aufnahme eines Prüflings entscheidet. Wer aufgenommen ist, beginnt als Knappe.

Was bedeutet „Lulu“ und „Ulul“?

„Lulu“ ist der Gruß der Schlaraffen und zugleich Beifall oder Zustimmung. „Ulul“, die Umkehrung, bedeutet Ablehnung.

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am

Kennst du jemanden, der diese Frage hat?

WhatsApp Telegram Facebook X Bluesky LinkedIn E-Mail

Manche Antworten erlebt man am besten gemeinsam.

Entdecke die Schlaraffia.

Menschen in deiner Nähe finden