Wie halte ich alte Freundschaften am Leben?
Kurz gesagt
Freundschaft pflegen heißt vor allem: sich melden, bevor ein Anlass kommt. Alte Freundschaften überstehen Jahre ohne Treffen, aber selten Jahre ohne Lebenszeichen. Am besten funktionieren feste Rituale, zum Beispiel ein jährliches Wochenende oder ein Telefonat zum Monatsanfang, also Termine, die einfach im Kalender stehen und nicht jedes Mal neu verhandelt werden.
Warum schlafen alte Freundschaften ein?
Selten wegen Streit. Meist schlafen sie ein, weil das Leben in verschiedene Richtungen zieht: Der eine bekommt Kinder, der andere zieht für den Job nach Hamburg, und irgendwann besteht die Freundschaft nur noch aus einem Glückwunsch zum Geburtstag, an den das Handy netterweise erinnert. Niemand hat etwas falsch gemacht. Es hat sich nur keiner gekümmert.
Das Tückische ist die Hemmung, die mit jeder Woche wächst. Nach drei Monaten ruft man einfach an. Nach drei Jahren fragt man sich, ob ein Anruf jetzt nicht seltsam wirkt, was man überhaupt sagen soll und ob der andere noch dieselbe Nummer hat, und lässt es deshalb ganz.

Wie kann ich eine Freundschaft pflegen, wenn wir weit auseinander wohnen?
Entfernung ist weniger das Problem als Unregelmäßigkeit. Ein festes Ritual schlägt jede spontane Absicht:
- Ein jährliches Wochenende, immer zur selben Zeit, etwa am zweiten Wochenende im Oktober.
- Ein Telefonat, das beide im Kalender haben, zum Beispiel am ersten Sonntag im Monat.
- Eine gemeinsame Sache aus der Ferne, etwa dasselbe Spiel der Lieblingsmannschaft schauen und dabei telefonieren.
- Eine Postkarte aus dem Urlaub, ganz altmodisch und gerade deshalb unvergessen.
Wichtig ist, dass einer den Hut aufhat. In vielen Freundesrunden gibt es den einen, der die Termine anstößt und hinterher die Fotos herumschickt, während die anderen dankbar mitkommen und sich jedes Jahr vornehmen, beim nächsten Mal selbst zu planen. Wenn das bisher nie du warst, ist jetzt ein guter Zeitpunkt.
Und wenn das Ritual einmal ausfällt, weil das Kind krank ist oder der Chef ruft, ist das kein Beinbruch. Wichtig ist, dass ihr sofort einen neuen Termin festlegt, statt die Sache auf „irgendwann“ zu verschieben, denn „irgendwann“ ist im Kalender eines Mannes um die 40 ein Ort, von dem selten etwas zurückkommt. Das weißt du selbst.
Wie melde ich mich nach Jahren wieder?
Einfach und ohne große Erklärung. Eine Nachricht wie „Hab gerade ein Foto von unserer Radtour 2009 gefunden, wie geht es dir?“ wirkt besser als ein langer Brief voller Entschuldigungen. Wer sich ewig rechtfertigt, macht aus einem Wiedersehen eine Verhandlung, und der andere fühlt sich am Ende verpflichtet, sich ebenfalls zu entschuldigen, obwohl er genauso wenig angerufen hat.
Wenn du keine Nummer mehr hast, helfen gemeinsame Bekannte, ein Klassentreffen oder ein Blick in die sozialen Netzwerke, wo sich viele alte Bekannte unter ihrem echten Namen finden lassen. Die meisten freuen sich, wenn sich jemand nach langer Zeit meldet. Und falls nicht, weißt du wenigstens Bescheid. Auch das ist eine Antwort.
Fürs erste Treffen gilt: klein planen. Ein Bier am Bahnhof, wenn er ohnehin durch deine Stadt fährt, ist leichter zu verabreden als ein ganzes Wochenende, und wenn es gut läuft, ergibt sich das Wochenende von selbst.
Was tun, wenn man sich auseinandergelebt hat?
Manchmal stellt man beim Wiedersehen fest, dass außer den alten Geschichten wenig übrig ist. Das ist schade, aber kein Drama. Eine Freundschaft darf sich verändern, und manche werden zu warmen Bekanntschaften, die man einmal im Jahr bei einem Bier auffrischt. Andere bekommen nach einer Pause neuen Schwung, gerade wenn beide in einer ähnlichen Lebensphase ankommen, etwa wenn die Kinder größer werden und plötzlich wieder Abende frei sind.
Hilfreich ist es, beim Wiedersehen nicht nur in Erinnerungen zu baden. Die Geschichte vom verpatzten Zeltlager 1994 ist beim ersten Mal herrlich und beim zehnten Mal ein Zeichen, dass euch die Gegenwart kaum noch etwas zu sagen hat. Frag lieber, was ihn heute umtreibt. Oft entdeckt man dabei einen neuen gemeinsamen Nenner.
Und die Freunde vor Ort?
Alte Freunde sind unersetzlich, aber sie wohnen oft weit weg. Für den Alltag hilft es, auch vor Ort eine Runde zu haben. Die Schlaraffia, ein Männerbund für Kunst und Humor, trifft sich in der Winterung, von Oktober bis April, meist wöchentlich, mancherorts alle 14 Tage, in ihren Reychen, so heißen die Ortsvereine. Weil es Reyche in vielen Städten gibt, vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz, findet sich manchmal sogar eine Runde in der Nähe des alten Freundes, und schon gibt es einen Grund mehr für den Besuch. Gäste heißen dort Pilger und sind willkommen.
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Häufige Fragen
Wie oft sollte man sich bei Freunden melden?
Eine feste Regel gibt es nicht. Viele Freundschaften kommen mit einem Kontakt im Monat gut aus, entscheidend ist, dass er regelmäßig kommt.
Was schreibe ich einem alten Freund zum Geburtstag?
Etwas Persönliches statt nur „Alles Gute“. Eine gemeinsame Erinnerung oder ein konkreter Vorschlag für ein Treffen macht aus dem Glückwunsch ein Lebenszeichen.
Sollte ich eine einseitige Freundschaft weiter pflegen?
Wenn seit Jahren nur du dich meldest, darfst du das ansprechen. Manchmal steckt Überlastung dahinter, manchmal Desinteresse, und beides ist besser zu wissen als zu raten.
Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am
