Freimaurer, Rotary, Lions, Schlaraffia: Was unterscheidet diese Vereinigungen?

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Kurz gesagt

Freimaurer, was ist das? Ein Bund, der in Logen organisiert ist und mit Ritualen und Symbolen an der eigenen Persönlichkeit arbeitet, nach den Idealen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Rotary und Lions sind dagegen Serviceclubs, die Geselligkeit mit sozialem Engagement verbinden. Die Schlaraffia ist ein Männerbund, der Kunst, Freundschaft und Humor pflegt.

Freimaurer: Was ist das eigentlich?

Die Freimaurerei beruft sich auf die Dombauhütten des Mittelalters. Sicher belegt ist die Gründung der ersten Großloge am 24. Juni 1717 in London, und die Alten Pflichten von 1723 bilden bis heute die Grundlage. Die Mitglieder treffen sich in Logen, arbeiten mit Ritualen und Symbolen wie Winkel und Zirkel und sehen die Arbeit an sich selbst als Kern der Sache. Es gibt drei Grundgrade. Sie heißen Lehrling, Geselle und Meister.

In Deutschland sind die regulären Logen unter dem Dach der Vereinigten Großlogen von Deutschland organisiert, die nach eigenen Angaben knapp 15.000 Mitglieder vertreten. Über das, was in den rituellen Versammlungen geschieht, bewahren Freimaurer Verschwiegenheit. Das ist gewollt. Ein Geheimbund im Sinne einer Verschwörung sind sie deshalb nicht, denn Sitz, Vorsitzende und Satzungen der Logen sind bekannt, und Ritualtexte stehen längst in öffentlichen Bibliotheken.

Die regulären Logen nehmen nur Männer auf. Daneben gibt es Frauenlogen, etwa die Frauen-Großloge von Deutschland, und gemischte Logen wie die von Le Droit Humain, gegründet 1893, in denen Männer und Frauen gemeinsam arbeiten.

Was machen Rotary und Lions?

Rotary und Lions sind Serviceclubs. Den ersten Rotary Club gründete der Rechtsanwalt Paul Harris am 23. Februar 1905 in Chicago, und der Name erinnert an die anfangs reihum wechselnden Treffpunkte. Heute zählt Rotary weltweit rund 1,2 Millionen Mitglieder in über 46.000 Clubs, in Deutschland waren es Ende 2024 rund 58.600 Mitglieder in gut 1.150 Clubs. Ein Club trifft sich in der Regel wöchentlich, oft mit einem Vortrag, und bekannt ist Rotary vor allem für den Kampf gegen die Kinderlähmung, der 1979 begann.

Lions Clubs International entstand 1917, ebenfalls in Chicago, auf Initiative des Versicherungskaufmanns Melvin Jones. Das Motto lautet „We serve“, wir dienen. Mit rund 1,4 Millionen Mitgliedern in über 200 Ländern und Gebieten ist Lions die mitgliederstärkste Serviceclub-Organisation der Welt, und in Deutschland sind es nach eigenen Angaben rund 51.000 Mitglieder. Beide Organisationen waren lange reine Männerclubs und öffneten sich ab 1989 für Frauen.

Wie wird man Mitglied bei Freimaurern, Rotary oder Lions?

Hier unterscheiden sich die Wege deutlich. Wer Freimaurer werden möchte, heißt in der Sprache der Logen „Suchender“, besucht in der Regel mindestens ein halbes Jahr lang Gästeabende und braucht einen Bürgen aus der Loge. Am Ende stimmen die Brüder mit weißen und schwarzen Kugeln über die Aufnahme ab. Aktiv geworben wird nicht, denn der Wunsch soll vom Bewerber selbst kommen.

Rotary geht anders vor. Einem Club kann man nicht einfach beitreten: Man bewirbt sich oder wird von Mitgliedern vorgeschlagen, danach entscheiden Aufnahmeausschuss und Vorstand, und von Mitgliedern wird erwartet, dass sie an mindestens der Hälfte der Treffen teilnehmen. Lions bietet auf seiner deutschen Website einen Clubfinder, über den Interessierte Kontakt zu einem Club in ihrer Region aufnehmen können.

Die Schlaraffia kennt ebenfalls eine Abstimmung, die Kugelung. Der Anfang sieht anders aus. Davor steht kein Bewerbungsgespräch, sondern ein Abend als Pilger, also als Gast. Wer wiederkommen möchte, wird Prüfling, nach der Kugelung Knappe, später Junker und Ritter, und wie lange das dauert, regelt jedes Reych, also jeder Ortsverein, ganz nach eigenem Ermessen.

Freimaurer, Rotary, Lions, Schlaraffia im Vergleich

Im Überblick, ohne Rangfolge:

  • Freimaurerloge: Arbeit an der eigenen Persönlichkeit mit Ritual und Symbol, reguläre Logen nur für Männer, Aufnahme nach Gästeabenden, Bürgschaft und Kugelung.
  • Rotary Club: soziales Engagement und Vorträge, meist wöchentliche Treffen mit Präsenzerwartung, Männer und Frauen, Aufnahme auf Vorschlag oder Bewerbung.
  • Lions Club: soziales Engagement unter dem Motto „We serve“, Männerclubs, Damenclubs und gemischte Clubs, Kontakt über einen Club in der Nähe.
  • Schlaraffia: Kunst, Freundschaft und Humor als augenzwinkernde Ritterparodie, Männerbund, Treffen von Oktober bis April, Einstieg als Gast.

Jede dieser Vereinigungen hat ihre Kritiker. Serviceclubs wird mitunter vorgeworfen, elitär zu sein, weil man meist auf Vorschlag aufgenommen wird, und um die Freimaurerei ranken sich seit Jahrhunderten Gerüchte, die mit dem tatsächlichen Logenleben wenig zu tun haben. Am fairsten urteilt, wer hingeht und sich selbst ein Bild macht. Fast alle bieten dafür Gästeabende oder offene Veranstaltungen an.

Und wo passt die Schlaraffia hinein?

Die Schlaraffia wurde am 10. Oktober 1859 in Prag gegründet, unter anderem vom Theaterdirektor Franz Thomé und vom Opernsänger Albert Eilers, den die Künstlergesellschaft „Arcadia“ zuvor abgewiesen hatte. Sie ist weder Loge noch Serviceclub. Ihr Zweck steht im Motto „In arte voluptas“, in der Kunst liegt die Freude, und im Mittelpunkt stehen die Fechsungen, so heißen die eigenen Beiträge der Mitglieder, vom Gedicht bis zum kleinen Vortrag.

Weltweit gibt es etwa 250 Reyche und Colonien, so heißen die Ortsvereine, vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Politik, Religion und Geschäfte bleiben draußen, Berufe und Titel spielen keine Rolle. Gäste sind willkommen. Wer neugierig ist, kommt als Pilger zu einer Sippung, dem Treffen in der Winterung vom 1. Oktober bis 30. April, das an vielen Orten wöchentlich und an manchen alle 14 Tage stattfindet, und schaut sich das an. Die Logen und Clubs aus diesem Vergleich lohnen einen solchen Besuch übrigens genauso.

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Häufige Fragen

Sind die Freimaurer eine Sekte?

Nein. Die Freimaurerei versteht sich nicht als Religion und vereint Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen. Ihre Logen sind meist als Vereine organisiert, mit bekannten Adressen und Vorständen.

Was bedeutet das Freimaurer-Zeichen mit Winkel und Zirkel?

Winkel und Zirkel stammen aus dem Werkzeug der Steinmetze und Baumeister, auf deren Bauhütten sich die Freimaurer berufen. Sie gehören zu den bekanntesten Symbolen des Bundes.

Wie viele Freimaurer gibt es weltweit?

Je nach Quelle werden zwischen 2,6 und sieben Millionen Freimaurer genannt. Die große Spanne zeigt, wie unterschiedlich gezählt wird.

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am

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