Lohnt sich ein Verein heute noch?
Kurz gesagt
Ja, ein Verein lohnt sich auch heute, vor allem für Männer, die feste Kontakte suchen. Wer einem Verein beitreten will, bekommt regelmäßige Termine, ein gemeinsames Thema und Leute, die man ohne Verabredung wiedersieht. Vorher lohnt ein Probebesuch, bei dem du klärst, wie die Stimmung ist, wie viel Zeit erwartet wird und was die Mitgliedschaft kostet.
Sind Vereine nicht von gestern?
Das Bild vom Verein ist bei vielen eingestaubt: Kassenwart mit Ärmelschonern und Jahreshauptversammlung im Nebenzimmer. Ein bisschen davon gibt es noch. Laut Wikipedia waren im April 2022 in Deutschland über 615.000 Vereine im Vereinsregister eingetragen, und ihre Zahl hat sich seit den 1970er Jahren ungefähr verfünffacht, auch wenn der Anteil der Menschen, die Mitglied sind, eher sinkt.
Gleichzeitig suchen viele Vereine dringend Mitglieder, gerade jüngere. Das ist eine gute Nachricht für dich. Wer mit 35 oder 45 neu dazukommt, wird in vielen Runden mit offenen Armen empfangen und hat schneller eine Aufgabe, als ihm manchmal lieb ist, vom Kuchenverkauf bis zum Kassenprüfer.
Ein Verein ist dabei mehr als ein Freizeitangebot mit Satzung. Er ist einer der wenigen Orte, an denen sich Menschen begegnen, die sonst in getrennten Welten leben, etwa der Azubi und der Oberstudienrat, die beim Vereinsfest am selben Grill stehen und über dieselbe verbrannte Wurst lachen. Das gibt es selten.

Warum lohnt es sich, einem Verein beizutreten?
Der größte Vorteil ist unspektakulär: der feste Termin. Freundschaft entsteht durch Wiederholung, und ein Verein liefert diese Wiederholung, ohne dass jemand jedes Mal per Gruppenchat einen Abend organisieren und vorher drei Absagen einsammeln muss. Du gehst dienstags hin. Die anderen auch.
Dazu kommen ein paar handfeste Dinge:
- Du triffst Leute, die du sonst nie kennengelernt hättest, quer durch Berufe und Altersgruppen.
- Du lernst etwas Neues, sei es Bogenschießen oder Ortsgeschichte.
- Du bekommst, wenn du willst, Verantwortung, und die tut vielen Männern jenseits des Berufs erstaunlich gut.
- Du hast einen Grund, das Haus zu verlassen, der nicht Arbeit heißt.
Welcher Verein passt zu mir?
Die Auswahl ist riesig, vom Sportverein über den Chor und den historischen Verein bis zum Mittelalterverein und der Freiwilligen Feuerwehr. Statt nach dem perfekten Verein zu suchen, stell dir zwei Fragen. Mehr braucht es nicht. Worüber kannst du stundenlang reden, ohne auf die Uhr zu schauen? Und wie viel Zeit hast du wirklich, ehrlich gerechnet, nach Job, Familie und dem Rasen, der auch nicht von allein kürzer wird, und nach dem Sonntag, den du eigentlich mal wieder ausschlafen wolltest?
Ein Mittelalterverein verlangt oft ganze Wochenenden im Sommer, ein Stammtisch vielleicht nur einen Abend im Monat. Beides ist in Ordnung. Schlecht ist nur ein Verein, der mehr Zeit will, als du hergeben kannst, denn dann wird aus dem Hobby eine Pflicht, und Pflichten hast du zwischen Montag und Freitag vermutlich schon genug.
Wie trete ich einem Verein bei?
Kein Hexenwerk. Meist läuft es ähnlich: Du schaust dir den Verein ein- oder zweimal als Gast an, fragst nach den Beiträgen und füllst dann in Ruhe einen Aufnahmeantrag aus. Bei manchen Vereinen entscheidet der Vorstand über die Aufnahme, bei anderen die Mitglieder. Frag beim Probebesuch ruhig direkt, was erwartet wird, etwa beim Arbeitsdienst oder bei Festen. Der Satz „Wir freuen uns über jeden, der mit anpackt“ ist ehrlich gemeint und bedeutet meistens, dass am Samstag Bänke aufgestellt werden müssen.
Lies vorher die Satzung. Dort steht, welche Beiträge fällig werden und ob Arbeitsstunden verpflichtend sind, die man sonst bezahlen muss. Das klingt trocken, erspart dir aber die Überraschung, wenn im Frühjahr eine Rechnung für nicht geleistete Stunden im Briefkasten liegt und du dich fragst, wann du das eigentlich unterschrieben hast.
Ein Verein für Kunst und Humor
Wer einen Verein sucht, in dem nicht Tore oder Ringe zählen, sondern Pointen, kann sich die Schlaraffia anschauen. Der Männerbund wurde 1859 in Prag gegründet und hat heute etwa 250 Reyche und Colonien, so heißen die Ortsvereine. In der Winterung, von Oktober bis April, trifft man sich meist wöchentlich, mancherorts alle 14 Tage, zur Sippung, mit Gedichten, Musik und viel Wortwitz, und wer mag, bringt irgendwann eine eigene Fechsung mit, also einen kleinen Beitrag. Mitgliedsbeiträge und Abläufe regelt jedes Reych selbst.
Als Pilger, also als Gast, kannst du vorbeikommen, dich in die Burg setzen, wie der Versammlungsraum dort heißt, und schauen, ob der Ton zu dir passt. So wie bei jedem anderen Verein auch.
Selbst erleben: Gastabend in deiner Nähe finden
Häufige Fragen
Kann ich einen Verein wieder verlassen?
Ja. Wie und mit welcher Frist, steht in der Satzung des Vereins, oft reicht eine schriftliche Kündigung zum Jahresende.
Was kostet eine Vereinsmitgliedschaft?
Das legt jeder Verein selbst fest. Die Spanne reicht vom kleinen Jahresbeitrag bis zu deutlich höheren Summen, etwa in Sportvereinen mit teuren Anlagen.
Muss ich mich im Verein ehrenamtlich engagieren?
Nein, viele Mitglieder kommen einfach zu den Treffen. Wer aber hin und wieder mit anpackt, kommt schneller ins Gespräch und wird schneller Teil der Runde.
Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am