Was ist Improtheater, und kann ich das auch?
Kurz gesagt
Improtheater ist Theater ohne Drehbuch: Die Spieler erfinden Szenen aus dem Stegreif, oft nach Vorgaben aus dem Publikum. Mitmachen kann fast jeder, auch ohne Bühnenerfahrung. Wichtiger als Talent sind Zuhören und die Bereitschaft, Fehler als Material zu nutzen. Anfänger starten meist in Workshops oder offenen Gruppen, die es in vielen Städten gibt.
Was ist Improtheater eigentlich?
Beim Improtheater gibt es kein Textbuch und keine Proben für die Aufführung. Das Publikum ruft einen Ort, einen Beruf oder einen Gegenstand in den Saal, etwa „Waschstraße“ und „Zahnarzt“, und zwei Spieler stehen auf und machen daraus innerhalb von Sekunden eine Szene. Was dabei herauskommt, weiß vorher niemand. Genau das macht den Reiz aus.
Ein bekanntes Format ist das Theatersport, geprägt vom britischen Theatermann Keith Johnstone. Dabei spielen zwei Mannschaften gegeneinander um die Gunst des Publikums. Daneben gibt es Langformen, bei denen aus einem einzigen Zuruf ein ganzes Stück entsteht.
Für Zuschauer wirkt das oft wie Zauberei. In Wahrheit steckt dahinter viel Training, nur eben kein Auswendiglernen, sondern das Einüben von Haltungen und kleinen Spielregeln, die verhindern, dass eine Szene nach zehn Sekunden in sich zusammenfällt. Improvisieren ist Handwerk. Man kann es lernen wie Kochen ohne Rezept.

Welche Regeln gelten beim Improtheater?
Die wichtigste Regel heißt: Angebote annehmen. Wenn dein Partner sagt „Herr Doktor, mein Auto hat Karies“, dann hat das Auto Karies, und du fragst nicht nach, ob das medizinisch möglich ist. Wer blockt, beendet die Szene, bevor sie angefangen hat.
Weitere Grundsätze lernst du in jedem Anfängerkurs schnell kennen:
- Konkret sein: nicht „ein Ding“, sondern „die Thermoskanne von Opa Heinz“.
- Den Partner gut aussehen lassen: Wer dem anderen Vorlagen liefert, wird selbst besser.
- Mit dem Status spielen: Johnstone unterschied zwischen Hochstatus und Tiefstatus, also wer in einer Szene oben steht und wer unten. Schon ein Blick, der ausweicht, kann den Status ändern.
Das klingt nach Theorie, ist aber im Kurs reine Praxis. Ihr spielt dieselbe Szene zweimal, einmal mit einem Chef, der stottert, einmal mit einem Praktikanten, der die Füße auf den Tisch legt, und plötzlich lacht der ganze Raum über etwas, das kein einziger Witz war.
Kann ich Improtheater auch mit 40 und ohne Bühnenerfahrung?
Ja. Die meisten Improgruppen sind voll von Leuten, die tagsüber Steuererklärungen prüfen, Heizungen warten oder Schulklassen bändigen. Ein typischer Abend beginnt mit Aufwärmspielen im Kreis, zum Beispiel einer Geschichte, bei der jeder reihum nur ein einziges Wort beiträgt, und spätestens beim dritten Satz biegt die Geschichte an einer Stelle ab, an die keiner gedacht hat. Danach folgen kleine Szenen zu zweit. Niemand wird sofort auf eine Bühne geschoben.
Die größte Hürde ist der Kopf. Männer um die 40 sind oft geübt darin, alles vorher zu planen und Fehler zu vermeiden. Im Improtheater ist der Fehler der Anfang der Szene, und viele erleben gerade das als befreiend. Wer sich verspricht, hat nicht versagt, sondern seinem Partner eine neue Vorlage geliefert. Ein Satz, den man in solchen Kursen oft hört: „Kein Problem, das bauen wir ein.“
Wo kann man Improtheater spielen und lernen?
Volkshochschulen bieten in vielen Städten Kurse zum Improvisationstheater an. Freie Theatergruppen und Improensembles veranstalten Workshops für Anfänger, oft an einem Wochenende oder als Abendkurs über mehrere Wochen. Schau dir am besten erst eine Vorstellung an, sprich die Spieler danach an und frag nach offenen Trainings.
Ein guter Kurs fühlt sich nicht nach Prüfung an, sondern nach Spielplatz. Wenn du nach dem ersten Abend mit Bauchmuskelkater vom Lachen nach Hause gehst, bist du richtig. Und manches nimmst du ganz nebenbei mit in den Alltag: erst zuhören, dann antworten, und im Meeting den Vorschlag des Kollegen weiterdenken, statt ihn reflexhaft zu zerlegen. Versprechen kann dir das niemand. Aber ausprobieren lohnt sich.
Spielfreude ohne Bühne: die Schlaraffia
Wer am Improtheater vor allem das Spielerische mag, findet es auch anderswo. Die Schlaraffia, ein 1859 in Prag gegründeter Männerbund, parodiert mit Augenzwinkern ein mittelalterliches Ritterwesen. Jedes Mitglied trägt dort einen schlaraffischen Namen, und Beruf oder Titel spielen keine Rolle.
Die Treffen heißen Sippungen und finden in der Winterung, von Oktober bis April, meist einmal pro Woche oder alle 14 Tage in der Burg statt, so heißt der Versammlungsraum. Neben vorbereiteten Beiträgen, den Fechsungen, lebt der Abend von Ritterspiel und viel Wortwitz. Als Pilger, also als Gast, kannst du dir das ansehen und entscheiden, ob dir diese Art Theater ohne Bühne liegt.
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Häufige Fragen
Ist Improtheater dasselbe wie Comedy?
Nein. Stand-up-Comedy ist meist geschrieben und geprobt, Improtheater entsteht im Moment. Lustig wird Impro oft trotzdem, weil das Publikum beim Entstehen zusieht.
Muss ich beim Improtheater witzig sein?
Nein. Wer krampfhaft Pointen sucht, macht Szenen eher kaputt. Die lustigsten Momente entstehen meist dann, wenn jemand ehrlich und ernsthaft auf eine absurde Situation reagiert.
Kann man Improtheater auch nur anschauen?
Ja, in vielen Städten gibt es regelmäßige Vorstellungen. Als Zuschauer lieferst du die Vorgaben und bist damit ein Stück weit Mitspieler.
Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am
