Kleinkunst und Kabarett: Wo kann man als Laie auf die Bühne?

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Kurz gesagt

Als Laie kommst du am leichtesten über offene Bühnen auf eine Kleinkunstbühne: Dort darf auftreten, wer sich anmeldet, meist für wenige Minuten. Dazu kommen Poetry-Slams, Amateurtheater, Kabarettgruppen und Vereine mit eigenem Vortragsprogramm. Wichtig sind ein kurzes, gut geprobtes Stück und die Bereitschaft, dass nicht jede Pointe zündet.

Was ist Kleinkunst, und was ist eine Kleinkunstbühne?

Kleinkunst heißt so, weil sie mit wenig auskommt: wenigen Leuten auf der Bühne, kleinem Raum, kaum Technik. Dazu zählen Kabarett und Comedy, Chanson, Zauberei, Puppenspiel, Poetry-Slam und noch einiges mehr. Eine Kleinkunstbühne ist entsprechend kein Opernhaus, sondern oft ein Gewölbekeller, ein Hinterzimmer oder ein umgebautes Kino mit ein paar Dutzend Stühlen, in dem die erste Reihe so nah sitzt, dass du ihr Bier riechen kannst. Genau diese Nähe macht den Reiz aus.

Das Kabarett hat seine Wurzeln in Paris, wo 1881 das „Le Chat Noir“ eröffnete. In Berlin eröffnete Ernst von Wolzogen 1901 in der Alexanderstraße die Kleinkunstbühne „Überbrettl“, die allerdings schon mit dem Ende der Spielzeit 1902/03 wieder in Liquidation gehen musste. Die Kleinkunst war also von Anfang an ein Ort für Versuche. Auch für gescheiterte.

Wo kann man als Laie auf die Bühne?

Der klassische Einstieg ist die offene Bühne, oft auch Open Stage genannt, im Englischen Open Mic. Dort treten an einem Abend mehrere Leute nacheinander auf, mit Musik, Comedy, Lesung oder Zauberei, und die Veranstalter stellen eine echte Bühne mit Licht und Ton. Das Niveau schwankt. Das ist Absicht, denn hier wird ausprobiert, und manche Bühnen arbeiten mit Anmeldelisten, andere losen die Reihenfolge aus.

Weitere Wege auf die Bretter:

  • Poetry-Slam: eigene Texte, strenges Zeitlimit, und meist entscheidet das Publikum.
  • Amateurtheater: In Deutschland sind viele Bühnen im Bund Deutscher Amateurtheater organisiert, der schon 1892 gegründet wurde.
  • Kabarettgruppen von Laien: Sie schreiben und spielen gemeinsam Programme. Frag beim Kulturamt oder an der Volkshochschule nach.
  • Improtheater: spontan statt auswendig, mehr dazu auf unserer Seite zum Improtheater.

Wie bereite ich meinen ersten Auftritt vor?

Kürzer, als du denkst. Fünf Minuten sind auf einer offenen Bühne eine kleine Ewigkeit, und ein Stück, das in fünf Minuten sitzt, wirkt besser als eines, das in fünfzehn wackelt. Schreib dir eine Nummer, probe sie laut, am besten vor einem ehrlichen Menschen, und stopp dabei die Zeit. Die Zeitlimits legt jeder Veranstalter selbst fest, also frag vorher nach.

Der Abend selbst sieht oft so aus: Du kommst früh, trägst dich in die Liste ein, bestellst eine Apfelschorle, weil Bier vor dem Auftritt keine gute Idee ist, und siehst drei anderen beim Zittern zu. Dann ruft jemand deinen Namen. Danach bist du entweder erleichtert oder angefixt, oft beides.

Eine Pointe, die nicht zündet, gehört dazu. Erfahrene Kleinkünstler reagieren darauf mit einem trockenen Satz und machen weiter, und genau das kannst du auf der kleinen Bühne üben, wo niemand Eintritt für Perfektion bezahlt hat.

Kabarett oder Comedy: Was liegt mir eher?

Die Grenze ist fließend. Kabarett nimmt eher öffentliche Ereignisse und Personen aus Politik und Gesellschaft aufs Korn und lebt vom Spiel mit dem Wissen des Publikums. Comedy und Stand-up erzählen häufiger von den Tücken des eigenen Alltags, vom Elternabend bis zum Baumarkt, und kommen dabei oft ganz ohne Vorwissen beim Publikum aus. Wer gern Zeitung liest und sich dabei aufregt, landet eher beim Kabarett, wer lieber über sich selbst lacht, eher bei der Comedy.

Ausprobieren ist ausdrücklich erlaubt. Manche Kleinkünstler beginnen mit einer Mischung aus Lied und Text und merken erst nach vielen Auftritten, wo ihre Stärke liegt, und einige wechseln auch später noch munter zwischen beiden Welten hin und her. Schubladen braucht vor allem das Programmheft.

Eine Bühne mit Publikum, das mitgeht

Wer erst einmal vor einem wohlwollenden Publikum üben möchte, findet das auch in Vereinen. Die Schlaraffia, ein Männerbund für Kunst, Freundschaft und Humor, gegründet 1859 in Prag, lebt von den eigenen Beiträgen ihrer Mitglieder, den Fechsungen, also Gedichten, kleinen Reden, Musik oder Vorträgen. In den Sippungen, so heißen die Treffen in der Winterung vom 1. Oktober bis 30. April, trägt vor, wer möchte, und gelungene Stücke bekommen ein kräftiges „Lulu!“, den schlaraffischen Beifall.

Die Sippungen finden an vielen Orten wöchentlich statt, an manchen alle 14 Tage. Politisches Kabarett hat dort allerdings keinen Platz, denn Politik bleibt vor der Tür. Wer aber Wortwitz und Selbstironie mag, kann als Pilger, also als Gast, erst einmal zuhören und sich in Ruhe anschauen, wie eine Bühne ohne Eintrittskarte funktioniert. Zuhören reicht für den Anfang völlig.

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Häufige Fragen

Bekommt man auf einer offenen Bühne eine Gage?

In der Regel nicht, weil das Ausprobieren im Vordergrund steht. Manchmal gibt es dafür Freigetränke, Freikarten oder eine Videoaufnahme des Auftritts.

Was ist der Unterschied zwischen Amateurtheater und Laientheater?

Umgangssprachlich wird beides gleich verwendet. Amateurtheater betonen aber gern, dass sie regelmäßig und ernsthaft spielen, während Laienspiel eher das Theater von Gruppen meint, deren Hauptzweck ein anderer ist, etwa das Krippenspiel der Jugendgruppe.

Wie finde ich eine Kleinkunstbühne in meiner Nähe?

Am schnellsten über den Veranstaltungskalender deiner Stadt, das örtliche Kulturamt oder die Suche nach „offene Bühne“ mit dem Namen deiner Stadt. Viele Bühnen kündigen ihre Open-Stage-Abende auch in sozialen Netzwerken an.

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am

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