Gibt es heute noch Ritterorden?
Kurz gesagt
Ja, Ritterorden gibt es heute noch. Der Deutsche Orden, der Malteserorden und der evangelische Johanniterorden gehen auf die Zeit der Kreuzzüge zurück und widmen sich heute vor allem karitativen Aufgaben. Dazu kommen jüngere Gründungen wie die Grabesritter und weltliche Orden wie der britische Hosenbandorden. Mit Schwert und Schlachtross hat das alles nichts mehr zu tun.
Welche Ritterorden gibt es heute noch?
Mehr, als die meisten vermuten. Die ältesten entstanden im Hochmittelalter als geistliche Gemeinschaften, die Pilger ins Heilige Land schützen und versorgen sollten, und einige davon haben die Jahrhunderte tatsächlich überstanden. Laut Wikipedia gehören dazu vor allem diese:
- Deutscher Orden: entstanden aus einem Feldhospital bremischer und lübischer Kaufleute, das um 1190 bei der Belagerung von Akkon arbeitete. Heute ist er eine römisch-katholische Ordensgemeinschaft.
- Souveräner Malteserorden: hervorgegangen aus dem Johanniterorden, der im 11. Jahrhundert in Jerusalem gegründet wurde. Er ist katholisch und gilt völkerrechtlich als souveränes Subjekt, obwohl er seit 1798 kein eigenes Staatsgebiet mehr hat.
- Johanniterorden: der evangelische Zweig, der sich 1538 in Brandenburg abspaltete, als der Kurfürst zur lutherischen Lehre übertrat.
- Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem: ein katholischer Laienorden, 1868 von Papst Pius IX. konstituiert, also ein vergleichsweise junger Spross.
Daneben gibt es weltliche Ritterorden, die Könige und Fürsten einst gestiftet haben. Der bekannteste ist der Hosenbandorden, 1348 vom englischen König Eduard III. gegründet und bis heute der ranghöchste Ritterorden des Vereinigten Königreichs. Den Templerorden dagegen gibt es nicht mehr. Er wurde 1312 aufgelöst, und Gruppen, die heute unter seinem Namen auftreten, berufen sich auf sein Erbe, sind aber nicht der historische Orden.

Was machen Ritterorden heute eigentlich?
Kurz gesagt: helfen statt kämpfen. Viele geistliche Ritterorden wurden im Lauf der Zeit zu Trägern sozialer Einrichtungen, und viele weltliche Orden wurden zu reinen Verdienstorden, die man für Leistungen verliehen bekommt. Der Deutsche Orden widmet sich heute vorwiegend karitativen Aufgaben, und der Malteserorden unterstützt alte, kranke und geflüchtete Menschen, unabhängig von deren Religion und Herkunft.
Du begegnest diesen Orden öfter, als du denkst. Wenn an einem gewöhnlichen Dienstagmorgen ein Rettungswagen mit weißem, achtspitzigem Kreuz an dir vorbeifährt, steckt ein Ritterorden dahinter. Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist ein Werk des evangelischen Johanniterordens, und der katholische Malteser Hilfsdienst wurde unter anderem von Gliederungen des Malteserordens gegründet. Die Ritter von einst fahren also heute Krankentransporte.
Kann man heute noch Ritter werden?
Im Prinzip ja, aber nicht mit einem Formular. Die Orden entscheiden selbst, wen sie aufnehmen, und sie erwarten eine enge Bindung an ihre Kirche und ein ernsthaftes, dauerhaftes Engagement. Wer nur gern einen Mantel mit Kreuz tragen möchte, ist dort falsch. Ein Ritterorden heute ist eine Glaubens- und Dienstgemeinschaft und kein Kostümverein.
Viel einfacher ist der Weg über das Ehrenamt. In den Hilfsorganisationen von Maltesern und Johannitern arbeiten sehr viele Freiwillige, etwa im Sanitätsdienst, im Besuchsdienst oder in der Hospizarbeit. Ritterschlag gibt es dafür keinen. Dafür tust du ziemlich genau das, wofür diese Orden einmal gegründet wurden, und das ist vielleicht die ehrlichere Form von Ritterlichkeit.
Woran erkenne ich einen seriösen Ritterorden?
Vorsicht bei Angeboten, die zu schön klingen. Im Internet tauchen immer wieder Vereinigungen auf, die sich Ritterorden nennen und gegen eine Gebühr Titel, Urkunden oder gleich einen Ritterschlag versprechen. Wer für ein paar hundert Euro zum Ritter werden kann, hat am Ende vor allem eine teure Urkunde fürs Gästeklo gekauft.
Ein seriöser Orden hat eine nachvollziehbare Geschichte, eine klare Bindung an eine Kirche oder einen Staat und eine Arbeit, die man sehen kann, etwa Krankenhäuser, Pflegeheime oder Rettungsdienste. Frag also nicht zuerst nach dem Mantel. Frag, wem der Orden hilft und wer ihn anerkennt.
Und wenn ich einfach Lust auf Ritterspiel habe?
Dann bist du bei den echten Orden an der falschen Adresse, und das ist keine Schande. Die Schlaraffia, ein Männerbund für Kunst, Freundschaft und Humor, parodiert seit 1859 mit Augenzwinkern ein mittelalterliches Ritterwesen. Man beginnt als Pilger, also als Gast, wird später Knappe, dann Junker und irgendwann Ritter, und gekämpft wird ausschließlich mit Worten und Pointen.
Die Treffen heißen Sippungen und finden in der Winterung von Oktober bis April meist einmal pro Woche statt, mancherorts alle 14 Tage, in einem Raum, den die Schlaraffen ihre Burg nennen. Politik, Religion und Geschäfte bleiben draußen. Wenn dich das neugierig macht, schau dir ein Reych, also einen Ortsverein, als Pilger an. Wenn dich eher die Geschichte der echten Orden fesselt, lohnt sich ein Besuch in einer ihrer alten Kommenden oder Ordensburgen ebenso.
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Häufige Fragen
Gibt es die Tempelritter noch?
Nein. Der Templerorden wurde 1312 aufgelöst. Heutige Gruppen mit Templer-Namen berufen sich auf sein Erbe, sind aber nicht der historische Orden.
Wo hat der Deutsche Orden heute seinen Sitz?
Der Hauptsitz des Deutschen Ordens befindet sich heute in Wien.
Wie viele Mitglieder hat der Malteserorden?
Laut Wikipedia zählt der Orden weltweit rund 13.500 Mitglieder. Für seine Hilfswerke arbeiten zusätzlich zehntausende Ehrenamtliche und Angestellte.
Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am