Was hilft gegen Einsamkeit?

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Kurz gesagt

Gegen Einsamkeit hilft vor allem Wiederholung: dieselben Menschen, regelmäßig, mit einem gemeinsamen Anlass. Fang klein an, mit einer Nachricht heute und einem festen Termin pro Woche. Viele erleben, dass es leichter wird, sobald sie anderen helfen. Wer über Wochen niedergeschlagen ist, spricht am besten mit dem Hausarzt oder ruft die TelefonSeelsorge an.

Was ist Einsamkeit, und was ist sie nicht?

Einsamkeit ist ein Gefühl, kein Zustand. Sie entsteht, wenn die Beziehungen, die du hast, nicht zu denen passen, die du dir wünschst, und deshalb kann ein Mann mit 500 Kontakten im Handy einsam sein, während sein Nachbar ohne Smartphone zufrieden im Garten sitzt. Allein und einsam sind zwei Paar Schuhe. Viele kennen das Gefühl aus Zeiten des Umbruchs, etwa nach einem Umzug, nach dem Tod eines nahen Menschen oder wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Einsamkeit ist auch kein Charakterfehler. Fachleute vergleichen sie gern mit Hunger oder Durst: ein Signal, das anzeigt, dass etwas fehlt, in diesem Fall Nähe und Zugehörigkeit zu anderen Menschen, und das einen dazu bewegen soll, etwas zu ändern. Schwierig wird es, wenn das Signal monatelang anhält und man sich daran gewöhnt, es zu überhören, weil Fernseher, Arbeit und Handy den Abend zuverlässig füllen.

Was hilft wirklich gegen Einsamkeit?

Nicht der große Entschluss, sondern der kleine Schritt, den man wiederholen kann. Bewährt hat sich eine Treppe in Stufen:

  • Heute: eine Nachricht an einen Menschen, an den du in letzter Zeit gedacht hast. Nicht „Wie geht's?“, sondern mit Anlass: „Bin gerade an unserer alten Pizzeria vorbeigefahren.“
  • In den nächsten sieben Tagen: ein Treffen mit Datum und Uhrzeit, und sei es ein Spaziergang von einer halben Stunde.
  • In den nächsten Monaten: eine Runde, die sich regelmäßig trifft und in der du jedes Mal dieselben Gesichter siehst.

Die letzte Stufe ist die wichtigste. Der Kommunikationsforscher Jeffrey Hall hat 2018 ermittelt, dass aus Bekannten erst nach rund 50 gemeinsamen Stunden lockere Freunde werden, nach etwa 90 Stunden Freunde und nach über 200 Stunden enge Freunde. Diese Stunden sammelt niemand bei zufälligen Begegnungen. Man sammelt sie in Chor, Verein, Werkstatt oder Stammtisch, also dort, wo man ohnehin hingeht, ob man an diesem Abend Lust hat oder nicht.

Was eher wenig bringt, sind große Vorsätze. „Ab Montag gehe ich jeden Abend unter Leute“ hält selten bis Mittwoch, weil der Plan zu groß ist und der erste Rückschlag ihn gleich ganz kippt. Ein einziger fester Termin, den du auch an müden Tagen schaffst, bringt mehr als fünf, die du nach einer Woche wieder absagst.

Warum hilft es, anderen zu helfen?

Weil du dann nicht als Bittsteller kommst, sondern gebraucht wirst. Wer bei der Tafel Kisten schleppt, bei der Freiwilligen Feuerwehr Schläuche rollt oder einem Nachbarn beim Umzug hilft, hat eine Aufgabe, ein Gegenüber und Gesprächsstoff für danach, ohne dass irgendwer über Gefühle reden muss. Das nimmt viel Druck heraus. Viele erleben, dass aus dem gemeinsamen Anpacken nach einiger Zeit Gespräche werden, die tiefer gehen als jeder Small Talk auf einer Party.

Ein Satz, den man so wirklich hört: „Ich will ja niemandem zur Last fallen.“ Er ist einer der zuverlässigsten Gründe, warum Menschen allein bleiben. Dreh ihn um. Die meisten freuen sich, wenn jemand fragt, ob er mit anpacken kann, und sie freuen sich erstaunlich oft auch, wenn jemand sie um einen kleinen Gefallen bittet, etwa beim Tragen eines Sofas in den dritten Stock.

Wann solltest du dir Hilfe holen?

Einsamkeit ist keine Krankheit, aber sie kann schwer auf die Stimmung drücken, und manchmal ist nicht mehr klar, was zuerst da war, die gedrückte Stimmung oder das Gefühl, allein zu sein. Wer über Wochen niedergeschlagen ist, schlecht schläft oder keinen Ausweg sieht, spricht am besten mit seinem Hausarzt, auch wenn sich der Termin zunächst übertrieben anfühlt. Der kennt solche Gespräche. Er weiß auch, welche Unterstützung es in deiner Gegend gibt.

Wenn du sofort mit jemandem reden willst, erreichst du die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenfrei und rund um die Uhr, auch per Chat. Deinen Namen musst du nicht nennen. In vielen Städten gibt es außerdem Gesprächs- und Selbsthilfegruppen, und die Selbsthilfekontaktstelle vor Ort oder die bundesweite NAKOS hilft dir bei der Suche nach einer passenden Gruppe.

Ein Abend, an dem gelacht wird

Lachen ist die beste Medizin, sagt der Volksmund, und gemeinsames Lachen hat einen Vorteil, den kein Ratgeber ersetzt: Man ist dabei nicht allein. Eine Möglichkeit dafür ist die Schlaraffia, ein Männerbund für Kunst, Freundschaft und Humor, gegründet 1859 in Prag. Ihre Ortsvereine heißen Reyche. Sie treffen sich in der Winterung, von Oktober bis April, meist wöchentlich, an manchen Orten alle 14 Tage, zur Sippung, einem Abend mit Gedichten, Musik, kleinen Reden und viel Gelächter.

Als Gast, dort Pilger genannt, kannst du einen Abend unverbindlich besuchen. Vortragen musst du nichts. Zuhören und mitlachen reicht völlig, und wer ein paarmal wiederkommt, sitzt irgendwann zwischen Leuten, die seinen Namen kennen und sich freuen, wenn er zur Tür hereinkommt.

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Häufige Fragen

Was hilft gegen Einsamkeit im Alter?

Feste Termine mit anderen, etwa in Seniorentreffs, Kirchengemeinden, Vereinen oder Nachbarschaftsprojekten. Wer Eltern hat, die allein leben, hilft oft schon mit einem verlässlichen Anruf pro Woche zur selben Uhrzeit.

Ist Einsamkeit nach einer Trennung normal?

Ja, sehr. Mit der Partnerin fällt oft auch ein Teil des gemeinsamen Freundeskreises weg. Es hilft, eigene Kontakte früh wieder aufzunehmen, statt zu warten, bis man sich besser fühlt.

Kann man sich mitten unter Menschen einsam fühlen?

Ja. Einsamkeit hängt weniger an der Zahl der Menschen um dich herum als daran, ob du dich gesehen fühlst. Ein einziges ehrliches Gespräch kann mehr bewirken als ein Abend auf einer vollen Party.

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am

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