Lustiges Weihnachtsgedicht für Erwachsene selbst schreiben: Wie geht das?

4 Minuten Lesezeit ·

Kurz gesagt

Ein Weihnachtsgedicht lustig für Erwachsene zu schreiben, heißt vor allem: das echte Fest beschreiben statt das aus der Werbung. Nimm eine Panne, die jeder am Tisch kennt, etwa die verhedderte Lichterkette, und erzähl sie in zwei Strophen im Paarreim. Die Pointe steht im letzten Wort, und Spott über Anwesende bleibt draußen.

Woher kommt der Stoff für ein lustiges Weihnachtsgedicht?

Aus dem Fest, wie es bei euch wirklich abläuft. Jede Familie hat Rituale, die nur von außen absurd wirken, zum Beispiel den alljährlichen Streit, ob der Baum schief steht, oder den Onkel, der jedes Jahr dieselbe Krawatte trägt und behauptet, sie sei neu. Das ist Material. Ein Weihnachtsgedicht für Erwachsene lebt davon, dass sich alle im Raum ertappt fühlen und trotzdem lachen.

Schreib dir eine Woche vor dem Fest zehn Stichworte auf, ohne zu sortieren. Danach streichst du alles, was nur eine einzige Person versteht, und alles, was jemanden vor der Verwandtschaft bloßstellt, auch wenn es noch so verlockend gereimt wäre. Übrig bleiben meist zwei oder drei Szenen. Eine davon reicht.

Weihnachtsgedicht lustig für Erwachsene: Wie baue ich es auf?

Für den Vortrag am Tisch oder auf der Firmenfeier haben sich zwei Strophen mit je vier Zeilen bewährt. Die erste stellt die Szene hin, ruhig erzählt, damit das Publikum glaubt, es komme etwas Besinnliches. Die zweite kippt. Dieser Bruch zwischen Glockenklang und Alltag ist der Kern fast jedes guten Weihnachtsgedichts für Erwachsene, und er funktioniert umso besser, je ernster du die ersten Zeilen vorträgst.

Ein selbst geschriebenes Beispiel im Paarreim: „Am Heiligabend, kurz vor acht, hat Papa schnell noch Licht gemacht: Die Lichterkette, frisch entwirrt, hat sich im Baum erneut verirrt. Er zieht und dreht, er flucht und schwitzt, bis endlich jede Lampe blitzt. Jetzt strahlt die Kette hell und warm um Papas linken Oberarm.“

Die erste Strophe klingt fast nach Weihnachtskarte. Die letzte Zeile liefert dann das Bild, an das sich alle erinnern, und sie steht genau dort, wo das Ohr den Schlussreim erwartet, sodass Reim und Pointe zusammenfallen. Mehr Technik braucht es nicht.

Was ist bei einem Weihnachtsgedicht für Erwachsene erlaubt?

Mehr als bei Kindern, aber weniger, als man nach dem dritten Glühwein glaubt. Anspielungen auf Geschenkeumtausch und Festtagsstress gehen, solange niemand am Tisch erkennbar gemeint ist. Zweideutigkeiten funktionieren auf der Firmenfeier selten, weil immer jemand dabeisitzt, der sie nicht lustig findet, und dieser Jemand sitzt erfahrungsgemäß direkt neben dem Chef und merkt sich alles. Halte es so, dass du das Gedicht auch der Großmutter vorlesen könntest. Sie lacht dann mit.

Für eine Karte genügt ein Vierzeiler. Lange Weihnachtsgedichte mit zehn Strophen funktionieren nur, wenn jede Strophe eine eigene kleine Pointe hat, sonst schaut das Publikum ab der vierten Strophe sehnsüchtig auf die Plätzchen. Schreib lieber kurz. Dann fragen die Leute nach einer Zugabe. Ein Vierzeiler passt auch in die Gruppennachricht der Familie, wo er garantiert öfter weitergeleitet wird als jedes Foto vom Weihnachtsbaum.

Muss ein lustiges Weihnachtsgedicht sauber gereimt sein?

Der Reim ja, beim Takt gibt es Spielraum. Der alte Knittelvers, ein Paarreim mit vier betonten Silben pro Zeile, erlaubt eine freiere Zahl unbetonter Silben dazwischen und klingt deshalb bodenständig, fast wie gesprochen, was zu Weihnachtsversen hervorragend passt. Lies jede Zeile laut. Wenn du an einer Stelle Anlauf nehmen musst, stell den Satz um.

Sprachlich hilft ein kleiner Trick. Nimm die feierlichen Wörter der Weihnachtslieder, also Kerzenschein und Stille, und stell sie neben Wörter aus dem Baumarkt oder dem Supermarkt, denn wenn das Lametta auf den Kassenzettel trifft, entsteht der Witz fast von allein. Das Ohr liebt solche Zusammenstöße, solange der Takt sauber bleibt. Probier es aus.

Wo trägt man so ein Gedicht vor?

Am Familientisch, auf der Weihnachtsfeier der Firma oder im Verein, und überall hilft ein Publikum, das mitgeht. Gereimte Beiträge haben einen festen Platz in der Schlaraffia, einem Männerbund für Kunst, Freundschaft und Humor, der 1859 in Prag gegründet wurde und heute etwa 250 Reyche und Colonien zählt. Reyche heißen dort die Ortsvereine.

Die Treffen heißen Sippungen und finden in der Winterung statt, von Oktober bis April, meist wöchentlich, mancherorts alle 14 Tage. Dichten muss dort niemand. Der eigene Beitrag heißt Fechsung, und das kann ein Gedicht, eine kleine Rede oder auch nur ein gereimter Vierzeiler über die eigene, jedes Jahr neu verhedderte Lichterkette sein. Gelingt er, ruft der Saal „Lulu!“, und hakt eine Pointe, gibt es freundliches Gelächter statt betretenen Schweigens, was den nächsten Versuch deutlich leichter macht. Als Pilger, so heißt der Gast, darfst du auch einfach nur zuhören.

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Häufige Fragen

Darf ich ein bekanntes lustiges Weihnachtsgedicht vortragen?

Ja, nenne dann den Verfasser. Ein selbst geschriebenes Gedicht kommt bei Erwachsenen aber meist besser an, weil es von eurem eigenen Fest erzählt.

Kann ich ein lustiges Weihnachtsgedicht für die Firma schreiben?

Ja, dann nimm Szenen aus dem Arbeitsalltag, die alle Abteilungen kennen. Spott über einzelne Kollegen oder den Chef lässt du weg.

Hilft eine KI beim Weihnachtsgedicht?

Für Listen mit Reimwörtern kann sie nützlich sein. Die Pointe aus eurem Familienalltag kennt sie aber nicht, die musst du selbst liefern.

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am

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