Wie wird aus einem Bekannten ein Freund?

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Kurz gesagt

Aus einem Bekannten wird ein Freund durch gemeinsame Zeit, Wiederholung und ein wenig Mut zur Offenheit. Wie wird man Freunde? Indem man sich regelmäßig sieht, ohne jedes Mal neu verhandeln zu müssen, und irgendwann mehr erzählt als das Wetter. Nach einer Studie von Jeffrey Hall braucht es rund 50 gemeinsame Stunden bis zur lockeren Freundschaft.

Wie wird man Freunde, wenn man sich schon kennt?

Den Kollegen aus der Nachbarabteilung kennst du seit Jahren. Ihr grüßt euch auf dem Flur, ihr redet in der Kaffeeküche über Fußball und das Wetter, und beim Sommerfest steht ihr eine Stunde zusammen und lacht über dieselben Dinge. Trotzdem würdest du ihn nicht anrufen, wenn dein Auto liegen bleibt. Komisch eigentlich. Das ist der typische Bekannte: freundlich und vertraut, aber ohne Zugang zu dem Teil deines Lebens, der nicht ins Small-Talk-Format passt.

Der Schritt zur Freundschaft passiert selten in einem großen Moment. Er besteht aus vielen kleinen Einladungen, die angenommen werden, aus Gesprächen, die einen Satz tiefer gehen als üblich, und aus dem Moment, in dem einer von beiden zum ersten Mal zugibt, dass gerade nicht alles rund läuft. Wer wartet, wartet oft lange.

Viele Männer scheuen diesen Schritt, weil er sich ein bisschen nach Werbung anfühlt. Man will nicht bedürftig wirken und dem anderen nicht zur Last fallen, der ja bestimmt schon genug Freunde hat. Meistens stimmt das nicht. Der Kollege aus der Nachbarabteilung sitzt abends genauso auf dem Sofa und fragt sich, warum eigentlich nie jemand anruft, seit die alte Fußballtruppe damals auseinandergefallen ist.

Wie viele Stunden braucht eine Freundschaft?

Der amerikanische Kommunikationsforscher Jeffrey Hall hat 2018 nachgezählt. Nach seiner Studie braucht es rund 50 gemeinsame Stunden, bis aus Bekannten lockere Freunde werden, rund 90 Stunden bis zur Freundschaft und über 200 Stunden bis zur engen Freundschaft. Gemeint ist Zeit, die man freiwillig miteinander verbringt. Das Großraumbüro zählt nur bedingt.

Rechne das einmal durch. Ein Feierabendbier alle zwei Monate bringt dich in zehn Jahren nicht weit. Ein fester Abend pro Woche mit drei Stunden ergibt nach gut sieben Monaten die ersten 90 Stunden, und plötzlich ist da jemand, den du anrufen würdest, wenn das Auto liegen bleibt.

Was kann ich konkret tun?

Du musst kein Charmebolzen sein. Es reichen ein paar Gewohnheiten, die man üben kann wie Einparken:

  • Mach aus einem Zufall einen Termin: „Das war nett, lass uns das nächsten Donnerstag wiederholen.“
  • Lade zu etwas Konkretem ein, zu einem Konzert, einer Radtour oder einem Grillabend.
  • Erzähl etwas Persönliches, das ein kleines bisschen Risiko hat, zum Beispiel, was dich gerade im Job nervt.
  • Merk dir Kleinigkeiten und frag beim nächsten Mal nach, wie die Prüfung der Tochter gelaufen ist.

Der Satz „Wir müssen mal wieder was zusammen machen“ ist übrigens der freundlichste Weg, nie wieder etwas zusammen zu machen. Wer ihn sagt, meint es meistens ernst und hat trotzdem nie einen Kalender dabei, weshalb aus dem guten Vorsatz nach ein paar Wochen ein Schulterzucken wird und nach ein paar Monaten ein schlechtes Gewissen. Mach es anders. Nenn einen Tag.

Woran merke ich, dass wir Freunde geworden sind?

Es gibt kein Zertifikat, aber ein paar Zeichen. Ihr meldet euch auch ohne Anlass. Du erzählst ihm Dinge, die du im Büro nicht erzählen würdest, und er hört zu, ohne dir gleich einen Rat zu verkaufen. Und wenn ihr euch drei Wochen nicht gesehen habt, fängt das nächste Gespräch einfach dort an, wo das letzte aufgehört hat, ohne dass einer erst die Lage abtasten muss.

Ein ehrlicher Test ist der Umzug. Wenn du ihn um Hilfe beim Schleppen bitten würdest, ohne dich dabei zu schämen, und er ohne langes Zögern zusagt, dann seid ihr über die Bekanntschaft hinaus. Kisten lügen nicht.

Und was hat der Uhu damit zu tun?

Die Schlaraffia, ein Männerbund für Kunst und Humor, gegründet 1859 in Prag, liefert vor allem eines: den festen Abend. In der Winterung, von Oktober bis April, treffen sich die Schlaraffen meist einmal pro Woche, an manchen Orten alle 14 Tage, zur Sippung, so heißt das Treffen dort. Wer regelmäßig kommt, sammelt die Stunden aus Halls Studie fast nebenbei, und zwar mit Leuten, die gern lachen und die du ohne diesen Abend vermutlich nie kennengelernt hättest. Das ist kein Zauber. Als Gast, schlaraffisch Pilger genannt, kannst du dir das unverbindlich ansehen. Ob daraus Freundschaften werden, liegt an dir und an den Leuten dort, wie überall sonst auch.

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Häufige Fragen

Kann man mit Kollegen richtig befreundet sein?

Ja, und oft sind das sogar stabile Freundschaften, weil man sich ohnehin häufig sieht. Hilfreich ist es, sich auch außerhalb der Arbeit zu treffen, damit nicht jedes Gespräch beim Projekt landet.

Ist es komisch, einen anderen Mann direkt um ein Treffen zu bitten?

Nein. Die meisten freuen sich über eine konkrete Einladung, weil sie den ersten Schritt selbst nicht gemacht hätten.

Was tun, wenn der andere nie zurück einlädt?

Zwei oder drei Versuche sind fair. Kommt danach nichts zurück, steckt oft eher ein voller Kalender dahinter als böser Wille, und du darfst deine Energie anderswo einsetzen.

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am

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