Abends allein: Was tun gegen den leeren Abend?
Kurz gesagt
Gegen Langeweile abends hilft vor allem Struktur: ein kleines Ritual nach Feierabend, eine Beschäftigung für die Hände und mindestens ein fester Abend pro Woche außer Haus. Der leere Abend wird nicht besser, wenn man ihn mit Bildschirmen füllt. Er wird gut, wenn er eine Form hat und einmal in der Woche ein Gegenüber.
Warum fühlt sich der Abend allein so lang an?
Tagsüber gibt die Arbeit den Takt vor. Um sieben fällt die Tür ins Schloss, und plötzlich ist niemand mehr da, der etwas von dir will, keine Mail und kein Kollege, nur der Kühlschrank und der Fernseher, die beide sehr geduldig warten. Diese drei, vier Stunden bis zum Schlafengehen haben keinen Plan. Genau das macht sie so zäh.
Betroffen sind ganz unterschiedliche Männer: der Single in der Zweizimmerwohnung, der Wochenendpendler im möblierten Apartment, der Monteur im Hotel und der frisch Getrennte, der jeden zweiten Abend ohne seine Kinder verbringt. Langeweile und Einsamkeit sind dabei nicht dasselbe. Langeweile heißt, dass dir nichts einfällt, Einsamkeit heißt, dass dir jemand fehlt. Oft kommen beide zusammen.

Was tun gegen Langeweile abends, wenn man allein ist?
Gib dem Abend eine Form, bevor er dich formt. Ein Übergangsritual nach der Arbeit hilft, etwa Kleidung wechseln, zwanzig Minuten raus und einmal um den Block, und erst danach essen, damit der Abend nicht im Stehen vor dem offenen Kühlschrank beginnt. Dann braucht es etwas für die Hände.
Bewährt hat sich alles, was Konzentration verlangt, aber nicht zu viel Kraft:
- Kochen für zwei Tage statt Fertiggericht für einen.
- Ein Instrument, ein Werkstück oder ein Puzzle mit 1.000 Teilen.
- Ein Brief oder eine lange Sprachnachricht an jemanden, der weit weg wohnt.
- Ein Hörbuch beim Bügeln, auch wenn das spießig klingt.
Was eher nicht hilft, ist das Handy. Wer abends allein auf dem Sofa durch Videos wischt, ist zwar beschäftigt, steht aber nach zwei Stunden so leer wieder auf, wie er sich hingesetzt hat, und hat dazu das Gefühl, dass alle anderen irgendwo feiern. Leg es in die Küche. Das gilt doppelt fürs Bett.
Wie wird aus dem leeren Abend ein guter?
Mit einem einzigen festen Termin pro Woche außer Haus. Der Rest darf bleiben, wie er ist, aber dieser eine Abend gehört anderen Menschen, ob Chor, Sportgruppe, Kneipenquiz, Volkshochschule oder Ehrenamt. Er gibt der Woche ein Gerüst. Plötzlich ist Dienstag nicht mehr irgendein Dienstag, sondern der Tag vor dem Chor, und auch die Abende allein fühlen sich anders an, wenn einer davon verabredet ist.
Ein zweiter Trick: der Anruf um acht. Such dir ein paar Menschen, mit denen du gern sprichst, und ruf abwechselnd einen davon an, ohne Anlass, einfach so. Die meisten freuen sich mehr darüber, als sie zugeben würden, und manche rufen nach ein paar Wochen von sich aus zurück, wenn bei ihnen der Abend ebenfalls lang wird.
Wer die Abende über Wochen nur noch schwer erträgt, niedergeschlagen ist, schlecht schläft oder keinen Ausweg sieht, spricht am besten mit seinem Hausarzt. Für Abende, an denen es akut wird, gibt es die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenfrei und rund um die Uhr, auch per Chat. Auch um elf Uhr nachts.
Wohin kann man abends allein gehen?
An Orte, an denen niemand eine Begleitung erwartet. Dazu gehören der Tresen einer Kneipe, der Lauftreff, die offene Werkstatt oder das Repair-Café, wo Leute gemeinsam kaputte Toaster aufschrauben, und jede Lesung, bei der alle nach vorn schauen statt auf ihren Nachbarn. Dort fällt keiner auf, der allein kommt. Im Gegenteil: Wer allein am Tresen sitzt, wird oft eher angesprochen als jemand, der mit drei Kumpels am Tisch hockt.
Ein Satz, den man an solchen Orten wirklich hört: „Bist du öfter hier?“ Er klingt nach schlechtem Film, ist aber der Anfang vieler Bekanntschaften unter Stammgästen, und wer die Frage beim dritten Besuch mit „Ja, jeden Donnerstag“ beantworten kann, gehört schon halb dazu. Beim vierten Mal kennt man deinen Namen.
Ein Abend mit Rittern und Gelächter
Ein möglicher fester Termin ist die Schlaraffia, ein Männerbund für Kunst, Freundschaft und Humor, der 1859 in Prag gegründet wurde und augenzwinkernd ein mittelalterliches Ritterwesen parodiert. Ihre Ortsvereine heißen Reyche, ihre Treffen Sippungen. Diese finden in der Winterung statt, von Oktober bis April, meist wöchentlich, an manchen Orten alle 14 Tage, und zwar abends.
Als Pilger, also als Gast, kannst du einen solchen Abend unverbindlich besuchen, zuhören und mitlachen, wenn jemand ein Gedicht vorträgt, eine kleine Rede hält oder ein Lied anstimmt, das er eigens für diesen Abend geschrieben hat. Gelingt etwas, ruft der Saal „Lulu!“. Wer neugierig ist, fragt beim Reych in seiner Nähe nach dem nächsten Termin.
Selbst erleben: Gastabend in deiner Nähe finden
Häufige Fragen
Was kann man abends spontan allein unternehmen?
Ins Kino gehen, eine Lesung oder einen Vortrag besuchen, ins Schwimmbad oder eine Runde durch die beleuchtete Stadt laufen. Bei Veranstaltungen fällt kaum auf, dass du ohne Begleitung kommst.
Hilft Sport gegen Langeweile am Abend?
Oft ja, vor allem Sport in einer Gruppe mit festem Termin. Du bist danach angenehm müde, und der Abend hat ein Ziel, das nicht auf dem Sofa liegt.
Wie viele Abende pro Woche sollte ich unter Menschen sein?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Für viele ist ein verlässlicher Abend pro Woche schon ein großer Schritt, und mehr darf es gern werden, wenn es dir guttut.
Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am
