Einsamkeit bei Männern: Warum trifft es uns anders?

4 Minuten Lesezeit ·

Kurz gesagt

Einsamkeit bei Männern bleibt oft lange unsichtbar, auch für die Betroffenen selbst. Viele Männer haben außer der Partnerin kaum jemanden, mit dem sie offen reden, und sprechen ungern über das Thema. Was Männern hilft, ist selten die Aufforderung, sich zu öffnen. Besser wirken eine Aufgabe, eine Einladung mit konkretem Anlass und ein fester Termin.

Warum sprechen Männer so selten über Einsamkeit?

„Läuft.“ Diese Antwort hört man unter Männern ständig, auch von einem, der seit Monaten niemanden mehr außerhalb von Familie und Büro getroffen hat. Viele Männer haben früh gelernt, dass man Probleme löst, statt über sie zu reden, und Einsamkeit lässt sich nun mal nicht reparieren wie ein tropfender Wasserhahn. Also wird sie verschwiegen. Oft auch vor sich selbst.

Dazu kommt ein Wort, das für viele nach Schwäche klingt. Einsam sind in der Vorstellung vieler der alte Witwer oder der Sonderling von nebenan, nicht der Abteilungsleiter mit Haus, Frau und zwei Kindern. Das ist ein Irrtum. Einsamkeit beschreibt nur eine Lücke zwischen den Beziehungen, die man hat, und denen, die man bräuchte, und diese Lücke kann jeden treffen, ganz gleich, wie voll sein Kalender ist.

Was ist bei Männern anders?

Fachleute beobachten bei vielen Männern ein Muster: Die Partnerin ist die einzige Vertraute. Sie organisiert die Geburtstage, hält den Kontakt zu befreundeten Paaren und ist oft der einzige Mensch, dem gegenüber er wirklich offen ist. Solange die Beziehung trägt, merkt das keiner. Nach einer Trennung, einem Todesfall oder in einer langen Krise steht so ein Mann plötzlich ohne Netz da, und die befreundeten Paare bleiben nicht selten bei ihr.

Hinzu kommt, dass Männerfreundschaften häufig an einem gemeinsamen Dritten hängen, am Fußball, am Verein oder an der Stammkneipe. Fällt das Dritte weg, schläft die Freundschaft ein, ohne dass jemand sie beendet hätte. Niemand hat Schluss gemacht. Es hat sich nur keiner mehr gemeldet, und nach drei Jahren traut sich keiner mehr, weil der Anruf inzwischen eine lange Erklärung bräuchte, die keiner von beiden am Telefon abgeben möchte.

Woran erkennt man Einsamkeit bei Männern?

Selten an Tränen. Häufiger an Dingen, die nach etwas ganz anderem aussehen: Der Mann bleibt länger im Büro, obwohl dort niemand auf ihn wartet, er wird gereizter, zieht sich in die Werkstatt oder vor die Konsole zurück, und auf die Frage nach Freunden zählt er Kollegen auf. Das alles beweist nichts. Es kann aber ein Anlass sein, ehrlich hinzuschauen, bei dir selbst oder bei einem Freund.

Wer über Wochen niedergeschlagen ist, schlecht schläft oder keinen Ausweg sieht, spricht am besten mit seinem Hausarzt. Das hat mit Schwäche nichts zu tun. Wer sofort mit jemandem reden will, erreicht die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenfrei, anonym und rund um die Uhr, auch per Chat, wenn ein Anruf gerade zu viel Überwindung kostet.

Was hilft Männern gegen Einsamkeit?

Was bei vielen Männern besser funktioniert als die Bitte, über Gefühle zu reden:

  • Eine Aufgabe: Ehrenamt, Freiwillige Feuerwehr, Jugendtraining, Vereinsvorstand. Wer gebraucht wird, kommt wieder.
  • Eine Einladung mit Anlass: „Ich bau am Samstag ein Hochbeet, hast du zwei Stunden?“ zieht besser als „Wir sollten mal was machen.“
  • Ein fester Termin: derselbe Abend, dieselben Leute, damit niemand jedes Mal neu fragen muss.
  • Der Anruf im Auto: zehn Minuten auf dem Heimweg, über die Freisprechanlage, ohne Blickkontakt. Für manchen Mann ist das die leichteste Art, ehrlich zu sein.

Und dann gibt es einen Satz, den kaum ein Mann ausspricht und den fast jeder gern hören würde: „Du fehlst mir in der Runde.“ Sag ihn mal. Mehr als ein verlegenes Lachen am anderen Ende kann dir nicht passieren, und manchmal ist genau dieses Lachen der Anfang eines Abends, der schon viel zu lange fällig war.

Wichtig ist auch, wer fragt. Manche Männer nehmen eine Einladung eher an, wenn sie von einem anderen Mann kommt, der selbst gerade eine Runde sucht, als wenn die Partnerin zum dritten Mal sagt, er solle doch mal wieder rausgehen. Gerecht ist das nicht. Aber es ist einen Versuch wert.

Seite an Seite, mit Uhu

Die Schlaraffia ist ein Männerbund für Kunst, Freundschaft und Humor, gegründet 1859 in Prag, der augenzwinkernd ein mittelalterliches Ritterwesen parodiert. Manchem Mann liegt das Prinzip: Man sitzt nicht im Kreis und muss sich öffnen, man erlebt gemeinsam einen Abend mit Gedichten, Musik und Gelächter, und die Gespräche ergeben sich dann von selbst. Politik, Religion und Geschäfte bleiben draußen. Titel auch.

Die Ortsvereine heißen Reyche und treffen sich in der Winterung, von Oktober bis April, meist wöchentlich, an manchen Orten alle 14 Tage, zur Sippung, so heißt der Abend in der Burg, dem Versammlungsraum. Als Pilger, also als Gast, kannst du einen solchen Abend unverbindlich besuchen und einfach zuschauen. Mehr verlangt niemand.

Selbst erleben: Gastabend in deiner Nähe finden

Häufige Fragen

Sind Männer einsamer als Frauen?

Pauschal lässt sich das nicht sagen, die Befunde der Forschung sind nicht einheitlich. Viele Fachleute beobachten aber, dass Männer seltener darüber sprechen und sich später Hilfe holen.

Was hilft Männern gegen Einsamkeit nach einer Trennung?

Früh alte Kontakte wieder aufnehmen, auch aus der Zeit vor der Beziehung, und sich einen festen Termin pro Woche schaffen. Wer über Wochen nicht aus dem Tief herauskommt, spricht mit dem Hausarzt.

Gibt es Selbsthilfegruppen für einsame Männer?

In vielen Regionen gibt es Männergruppen und Gesprächskreise, manche zu bestimmten Themen wie Trennung oder Vaterschaft. Die Selbsthilfekontaktstelle vor Ort oder die bundesweite NAKOS hilft bei der Suche.

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am

Kennst du jemanden, der diese Frage hat?

WhatsApp Telegram Facebook X Bluesky LinkedIn E-Mail

Manche Antworten erlebt man am besten gemeinsam.

Entdecke die Schlaraffia.

Menschen in deiner Nähe finden