Midlife-Crisis beim Mann: Was steckt dahinter?

4 Minuten Lesezeit ·

Kurz gesagt

Eine Midlife-Crisis beim Mann ist keine Krankheit, sondern eine Phase der Bilanz, meist zwischen Anfang 40 und Mitte 50. Viele Männer fragen sich dann, ob ihr Leben noch zu ihnen passt. Das zeigt sich als innere Unruhe oder als Sehnsucht nach etwas ganz Neuem. Hilfreich sind ehrliche Gespräche und neue Aufgaben statt Kurzschlusshandlungen.

Was ist eine Midlife-Crisis?

Der Begriff geht auf den kanadischen Psychoanalytiker Elliott Jaques zurück, der ihn Ende der 1950er-Jahre prägte und 1965 in einem Fachaufsatz ausführlich beschrieb. Gemeint ist eine Phase in der Lebensmitte, in der Menschen Bilanz ziehen und dabei spüren, dass die eigene Zeit nicht unbegrenzt ist. Eine medizinische Diagnose ist die Midlife-Crisis nicht. Nicht jeder Mann erlebt sie, aber viele kennen das Gefühl, das dahintersteckt.

Es kommt oft leise. Ein Geburtstag mit einer Vier oder Fünf vorn, ein Kollege, der plötzlich lange ausfällt, der Vater, der älter wirkt als im letzten Jahr. Und dann ein Satz, den man so wirklich hört, meist spät abends und meist zu sich selbst: „War das jetzt alles?“

Welche Anzeichen sind typisch für eine Midlife-Crisis beim Mann?

Die Anzeichen sind keine Checkliste zum Abhaken, und jeder erlebt sie anders. Häufig beschrieben werden:

  • Unruhe und das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen
  • Zweifel am Beruf, auch wenn er von außen gut aussieht
  • Rückzug aus Gesprächen oder spürbare Gereiztheit zu Hause
  • plötzliche Wünsche nach radikalen Änderungen, vom Motorrad bis zur Auswanderung

Das Motorrad ist das Klischee, über das alle lachen. Dahinter steckt aber oft ein ernster Wunsch: noch einmal etwas zu spüren, das nicht nach Pflicht und Ratenzahlung aussieht. Der Wunsch ist berechtigt. Nur die Mittel sind manchmal etwas teuer.

Wie lange dauert eine Midlife-Crisis, und wann ist es mehr?

Eine feste Dauer gibt es nicht. Bei manchen ist es ein unruhiges Jahr, bei anderen eine längere Phase, die eher schleichend ausklingt. Ökonomen wie David Blanchflower haben in großen Befragungen beobachtet, dass die Lebenszufriedenheit vieler Menschen in der Lebensmitte einen Tiefpunkt erreicht und danach wieder steigt. Diese sogenannte U-Kurve ist in der Forschung allerdings nicht unumstritten.

Wichtig ist die Grenze zur Erkrankung, und die ziehst nicht du allein. Wenn du über Wochen niedergeschlagen bist, schlecht schläfst, an nichts mehr Freude hast oder keinen Ausweg mehr siehst, dann sprich mit deinem Hausarzt. Wenn du sofort jemanden brauchst: Die TelefonSeelsorge ist kostenfrei und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 erreichbar, auch per Chat.

Was hilft in der Lebensmitte wirklich?

Die Krise stellt eine berechtigte Frage, und die verdient eine ehrliche Antwort statt eines Kurzschlusses. Bevor du kündigst, dich trennst oder das Sparbuch in einen Sportwagen verwandelst, rede mit deiner Partnerin, mit einem guten Freund oder notfalls mit einem Fremden am Telefon. Große Entscheidungen werden selten besser, wenn man sie allein und um drei Uhr nachts trifft.

Hilfreich ist oft etwas Neues, das nicht gleich das ganze Leben umwirft: ein Instrument, eine Sprache, ein Ehrenamt oder eine Runde von Menschen, die du noch nicht kennst. Viele Männer merken in dieser Phase, dass ihnen über die Jahre die Freunde abhandengekommen sind. Das wieder aufzubauen, braucht Zeit. Es ist trotzdem oft die beste Antwort auf die Frage nach dem Sinn.

Auch der Körper gehört dazu. Ein Termin beim Hausarzt zum Durchchecken, regelmäßige Bewegung und genug Schlaf beantworten nicht die Frage nach dem Sinn des Lebens. Sie verändern aber oft die Laune, mit der man nach ihm fragt.

Etwas Neues, das bleiben darf

Für manche Männer wird die Schlaraffia in der Lebensmitte zu so einem neuen Kapitel. Der Männerbund wurde 1859 in Prag gegründet, pflegt Kunst, Freundschaft und Humor und trifft sich in der Winterung, von Oktober bis April, meist einmal pro Woche, an manchen Orten alle 14 Tage. Dort kannst du Dinge ausprobieren, für die im Berufsleben nie Platz war, etwa ein eigenes Gedicht vortragen oder eine kleine Rede halten. So ein Beitrag heißt bei uns Fechsung.

Humor ist die beste Medizin, sagt der Volksmund. Gegen die Frage „War das schon alles?“ hilft er jedenfalls zuverlässiger als ein Cabrio, denn wer regelmäßig über das Leben lacht, statt nur darüber zu grübeln, sieht es am nächsten Morgen ein Stück gelassener. Komm als Pilger, also als Gast, und schau dir das in Ruhe an.

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Häufige Fragen

In welchem Alter kommt die Midlife-Crisis beim Mann?

Meist wird sie zwischen Anfang 40 und Mitte 50 beschrieben. Einen festen Zeitpunkt gibt es nicht, und viele Männer erleben gar keine ausgeprägte Krise.

Wie verhalte ich mich als Partnerin bei einer Midlife-Crisis?

Zuhören hilft meist mehr als Ratschläge. Ermutige ihn, mit Freunden oder dem Hausarzt zu sprechen, und achte dabei auch auf deine eigenen Grenzen.

Gibt es die Midlife-Crisis auch bei Frauen?

Ja, auch Frauen kennen Phasen der Bilanz in der Lebensmitte. Auslöser und Verlauf unterscheiden sich von Mensch zu Mensch stark.

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am

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