Ein fester Abend pro Woche nur für mich: Wie spreche ich das zu Hause an?
Kurz gesagt
Zeit für sich trotz Familie bekommst du am ehesten, wenn du den festen Abend als gemeinsames Vorhaben ansprichst und nicht als Forderung. Wähle einen ruhigen Moment, sag konkret, was du vorhast und warum es dir wichtig ist, und biete deiner Partnerin denselben Abend für sich an. Dann tragt ihr beide Abende gemeinsam in den Kalender ein.
Wann ist der richtige Moment für das Gespräch?
Nicht um 18.15 Uhr, wenn die Nudeln überkochen und der Jüngste gerade den Joghurt an der Wand verteilt. Auch nicht als Nachsatz zu einem Streit über den Abwasch. Such dir einen ruhigen Moment, am Wochenende beim Kaffee oder abends, wenn die Kinder schlafen und noch keiner von euch auf dem Sofa weggenickt ist.
Kündige es ruhig vorher an. Ein Satz wie „Ich würde gern am Sonntag mal in Ruhe was mit dir besprechen, nichts Schlimmes“ nimmt die Spannung raus. Das „nichts Schlimmes“ ist dabei wichtig. Ohne diesen Zusatz rechnet das Gegenüber erfahrungsgemäß mit allem, vom Jobwechsel bis zum Umzug nach Kanada.

Wie spreche ich das an, ohne dass es nach Forderung klingt?
Fang bei dir an, nicht beim Termin. Erzähl, was dir fehlt, statt gleich den Abend zu verlangen. Ein paar Formulierungen, mit denen du anfangen kannst:
- „Ich merke, dass mir etwas fehlt, das nur mir gehört. Ich bin in letzter Zeit gereizter, als ich sein will.“
- „Ich hätte gern einen festen Abend pro Woche, an dem ich in den Chor gehe. Und ich möchte, dass du genauso einen Abend für dich hast.“
- „Mir ist wichtig, dass das für uns beide passt. Was bräuchtest du, damit es für dich in Ordnung ist?“
Vermeide Sätze, die nach Abrechnung klingen. „Du gehst ja auch zum Yoga“ mag stimmen, eröffnet aber eine Buchhaltung, in der am Ende beide verlieren. Ebenso heikel ist „Ich brauche das einfach“, weil es nach Ultimatum klingt und der anderen Seite keine Frage mehr lässt, auf die sie antworten könnte.
Welche Einwände kommen, und wie antworte ich?
Ein Einwand ist kein Nein. Meist steckt eine berechtigte Sorge dahinter, die eine Antwort verdient. Typische Beispiele aus dem Familienalltag:
- „Und wer bringt dann die Kinder ins Bett?“ Antwort: „Gute Frage. Ich übernehme dafür einen anderen Abend komplett, oder wir fragen, ob Oma einspringt.“
- „Du bist doch eh schon so wenig da.“ Antwort: „Das stimmt, und das nehme ich ernst. Wie wäre es, wenn ich dafür den Samstagvormittag fest mit den Kindern übernehme?“
- „Und was ist mit mir?“ Antwort: „Darum geht es mir ja. Such dir deinen Abend aus, ich halte ihn dir frei.“
Wenn das erste Gespräch nicht zu einem Ja führt, ist das kein Scheitern. Verabredet euch für eine zweite Runde in einer Woche. Oft braucht ein neuer Gedanke ein paar Tage, bis er sich nicht mehr wie ein Angriff auf das eingespielte Familiengefüge anfühlt.
Wie wird der feste Abend verbindlich?
Schreibt beide Abende in den Familienkalender, in Farbe und mit Namen. Startet mit einer Probephase von acht Wochen und setzt euch danach noch einmal zusammen: Was läuft gut, was nervt, was ändern wir? Das nimmt Druck raus. Nichts ist für die Ewigkeit beschlossen.
Und halte dich an die Abmachung. Wer um 22 Uhr zurück sein wollte, kommt nicht um halb eins heim und schreibt vorher „bin gleich da“. Verlässlichkeit ist die Währung, mit der du dir den nächsten Abend verdienst, und mit der deine Partnerin ihren eigenen Abend genauso entspannt genießen kann.
Ein Abend, der sich gut erklären lässt
Leichter wird das Gespräch, wenn du sagen kannst, was du an dem Abend tust. „Ich gehe in die Schlaraffia“ klingt erst einmal erklärungsbedürftig. Also kurz erklärt: ein Männerbund für Kunst, Freundschaft und Humor, gegründet 1859 in Prag, mit Treffen in der Winterung von Oktober bis April, meist einmal pro Woche, mancherorts alle 14 Tage. Politik und Geschäfte bleiben draußen, dafür gibt es Lieder und viel Wortwitz.
Vielleicht hilft im Gespräch auch dieser Punkt: Zu besonderen Abenden und Unternehmungen sind vielerorts auch Partnerinnen und Familien dabei. Du kannst also irgendwann zeigen, wohin du an deinem Abend verschwindest. Vorher kommst du ohnehin erst einmal als Pilger, also als Gast, und schaust, ob es überhaupt passt.
Selbst erleben: Gastabend in deiner Nähe finden
Häufige Fragen
Was, wenn meine Partnerin Nein sagt?
Frag nach dem Grund hinter dem Nein. Oft geht es um Entlastung oder um das Gefühl, selbst zu kurz zu kommen, und dafür lassen sich gemeinsam Lösungen finden.
Wie oft ist ein Abend für sich angemessen?
Für viele Familien ist ein Abend pro Woche pro Partner ein guter Start. Wichtig ist, dass beide ähnlich viel Freiraum bekommen.
Soll ich den Abend erst ausprobieren und dann fragen?
Besser andersherum. Wer erst Fakten schafft und dann fragt, macht aus einem Wunsch einen Konflikt, auch wenn der Abend selbst völlig harmlos ist.
Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am
