Wie wird man heute noch Ritter?

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Kurz gesagt

Ritter werden heute geht vor allem auf zwei Arten. Ernsthaft wird man es durch eine Ehrung des britischen Monarchen oder als Mitglied eines der alten Ritterorden, die heute karitativ arbeiten. Spielerisch wird man es in Vereinen, die das Rittertum nachstellen oder mit Augenzwinkern parodieren. Den Ritterschlag des Mittelalters mit Lehnsherr und Schlachtross gibt es nicht mehr.

Wie wurde man im Mittelalter Ritter?

Mit viel Geduld und noch mehr Geld. Meist ging der Ritterwürde eine lange Lehrzeit voraus, erst als Page, dann als Knappe, der Pferde, Waffen und Rüstung seines Herrn pflegte und ihn in den Kampf begleitete. Die ältere Form der Erhebung war die Schwertleite, die ab dem 12. Jahrhundert in Schriftquellen auftaucht. Der junge Mann wurde mit dem Schwertgurt umgürtet und bekam seine Sporen.

Viele schafften es nie. Im späteren Mittelalter konnten sich zahlreiche ritterbürtige Familien die Pferde, Rüstungen und Knappen schlicht nicht leisten, die zum Rittersein gehörten, und ihre Söhne blieben deshalb ein Leben lang Edelknechte. Rittertum war also auch eine Frage des Geldbeutels.

Was bedeutet der Ritterschlag?

Der Ritterschlag ist ein feierlicher Ritus, mit dem ein Mann in den Ritterstand erhoben wurde. Er ist erstmals im Frankreich des frühen 13. Jahrhunderts belegt und verdrängte in Mitteleuropa ab dem 14. Jahrhundert die Schwertleite. Statt eines echten Schlags, der als letzter unerwiderter Hieb im Leben des Neuritters galt, genügte nun das Antippen von Schulter oder Hals mit dem Schwert. Das war deutlich praktischer, vor allem wenn vor einer Schlacht gleich Dutzende Knappen auf einmal befördert werden sollten und niemand Zeit für ein langes Zeremoniell hatte.

Im Kleinen lebt der Ritterschlag weiter. In manchen Regionen wird ein Jungjäger nach seiner Lehrzeit feierlich „zum Jäger geschlagen“, mit dem Hirschfänger auf die Schulter. Und wer im Büro sagt, die Beförderung sei für ihn ein Ritterschlag gewesen, meint im Grunde dasselbe wie die Ritter von damals: eine Anerkennung, die man sich über lange Zeit verdient hat.

Wer bekommt heute noch einen echten Ritterschlag?

Großbritannien hält daran fest. Dort ist der Ritterschlag bis heute eine Auszeichnung für besondere Verdienste, und verleihen kann ihn nur der amtierende Monarch. Bei der Zeremonie kniet der Geehrte auf einem Kissen und wird mit dem Schwert erst auf der linken, dann auf der rechten Schulter berührt. Danach steht „Sir“ vor seinem Vornamen, wie bei Sir Paul McCartney, den Königin Elisabeth II. 1997 zum Ritter schlug. Den Titel Knight Bachelor erhalten nur Männer aus Großbritannien und den Commonwealth-Reichen, während Frauen für vergleichbare Verdienste in der Regel zur Dame ernannt werden, was formal sogar eine Stufe höher steht.

Der zweite ernsthafte Weg führt über die alten Ritterorden wie den Deutschen Orden, die Malteser oder die Johanniter. Sie arbeiten heute vor allem karitativ, stehen hinter Rettungsdiensten und Pflegeeinrichtungen und erwarten von neuen Mitgliedern eine feste Bindung an ihre Kirche und ein dauerhaftes Engagement. Mehr dazu steht auf unserer Seite über Ritterorden heute. Einen Schnellkurs gibt es dort nicht.

Ritter werden als Hobby: Wo geht das?

Wer einfach Lust auf Rüstung, Lagerfeuer und Turnier hat, findet in der Mittelalterszene, im Reenactment und im LARP viele Möglichkeiten, von der historisch genauen Darstellung bis zum Fantasy-Wochenende im Wald. Einen Überblick, was zu wem passt, gibt unsere Seite zu Mittelalter, Ritter und LARP. Wo eine Gruppe Knappen und Ritter kennt, sind das Rollen, die man sich im Verein erarbeitet. Ein Adelstitel wird daraus nicht.

Ein Satz, den man in der Familie dann wirklich hört: „Du willst also ernsthaft am Wochenende im Kettenhemd über eine Wiese laufen?“ Die ehrliche Antwort lautet oft ja. Wer weniger Zeltleben möchte, kann das Rittertum aber auch abends am Tisch pflegen, mit Worten statt mit Waffen und mit einem warmen Bett, das nach der Schlacht auf ihn wartet.

Ritter mit Augenzwinkern: die Schlaraffia

Die Schlaraffia, ein Männerbund für Kunst, Freundschaft und Humor, parodiert seit ihrer Gründung 1859 in Prag mit Augenzwinkern ein mittelalterliches Ritterwesen. Auch hier wird man Ritter. Der Weg klingt allerdings eher nach Bühne als nach Schlachtfeld. Man kommt als Pilger, also als Gast, wird Prüfling und nach der Aufnahme durch Abstimmung, der Kugelung, Knappe, später Junker und schließlich Ritter, und wie lange das dauert, regelt jedes Reych, so heißt der Ortsverein, selbst.

Gekämpft wird mit Worten. Die Treffen heißen Sippungen und finden in der Winterung vom 1. Oktober bis 30. April statt, an vielen Orten wöchentlich, an manchen alle 14 Tage, und Politik, Religion und Geschäfte bleiben draußen. Wer neugierig ist, schaut sich eine Sippung als Pilger an, und wer danach doch lieber im Kettenhemd zeltet, hat immerhin einen Abend lang gelacht und ein paar Ritter kennengelernt, die ihre Rüstung im Kopf tragen.

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Häufige Fragen

Können Frauen zum Ritter geschlagen werden?

Im Vereinigten Königreich erhalten Frauen für vergleichbare Verdienste den Titel Dame. In vielen Mittelaltervereinen und im LARP spielen Frauen ritterliche Rollen ganz selbstverständlich.

Was sagt man beim Ritterschlag?

In Deutschland ist die Formel „Besser Ritter als Knecht“ in verschiedenen Varianten überliefert. Bei der britischen Zeremonie gibt es dagegen keine festgelegte Weiheformel.

Was heißt Ritterschlag auf Englisch?

Der Ritterschlag heißt auf Englisch „accolade“ oder „dubbing“. Wer ihn erhält, wird „knighted“.

Antwort von Volker Roeber (Ritter Un-Bequem), Schlaraffia Eisenach · Veröffentlicht am

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